Club der halbtoten Dichter

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Expertenmeinungen

zum Thema AKW

Es gibt grundlegende Unterschiede in der Bau- und Funktionsweise deutscher und osteuropäischer Kernkraftwerke.

Die im Osten benutzen Grafit als Moderator und Wasser als Kühlmittel (in Deutschland: Helium), was letztlich zu einem positiven Reaktivitätskoeffizienten führt. Sprich: Im Notfall verringert sich die Absorbtionsrate.

In Deutschland hingegen ist es vorgeschrieben, daß KKWs stets einen negativen Reaktivitätskoeffizienten haben, im Störungsfall also maximal ein Abschalten erfolgt.

Diese grundlegenden Unterschiede sollten schon anerkannt werden, wenn über den Unterschied zwischen deutschen und russischen Atomkraftwerken diskutiert wird. Da muß man nicht mit hurrapatriotischer Ingenieurskunst kommen, aber man kann eben auch nicht einfach sagen, daß das, was in Tschernobyl passierte, mal eben so bei uns auch vorkommen kann.

German Psycho · 07.07.08, 08:29 Uhr

Wikiopa meint:

Das ist wie wenn mich einer fragt ob ich lieber an >Pest oder an >Cholera verrecken möchte.

Hören Sie hierzu:

*

Nachtigall - Ick hör dir trapsen

*

15 Kommentare

Entscheidend ist eh die Frage der Endlagerung. Man kann nicht zehntausende von Jahren lang unseren Nachfahren ein tödliches Risiko aufhalsen – zumal man immer noch nicht die Spur einer Ahnung hat, wohin mit den alten Brennstäben. Es gibt weltweit noch immer keine einzige Endlagerstätte, dabei sind schon Tonnen von Plutonium produziert worden, eins der tödlichsten Gifte, das es auf der Erde gibt.

Das Konzept Atomenergie ist der pure Wahnsinn. Und sie als umweltfreundlich zu verkaufen, ist ebenfalls genau das.

Matt · 07.07.08, 22:11 Uhr

«Du willst schon fort? Es ist noch längst nicht Tag:
Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,
Die deinem Ohr ins bange Innre drang;
Sie singt bei Nacht auf dem Granatbaum dort:
Geliebter glaub’s es war die Nachtigall.»

Juliet · 07.07.08, 22:52 Uhr

Ich bin es müde zu lesen, dass Atomkraft angeblich keinen Müll hinterlassen soll. “Unsere Endlagersalzbergwerkskellergeschosse” halten dem Plutonium langfristig gesehen nicht Stand. Fakt.

Ich bin es müde lesen, dass ein neues, spritsparendes Auto so wundervoll sein kann, obwohl es bei der Produktion so viele Schadstoffe hinterläßt, dass es erst einmal 150.000 KM fahren muss, um sich zu rentieren. In vielerlei giftiger Hinsicht.

Joshuatree · 08.07.08, 00:40 Uhr

Was Herr Psycho beschreibt stimmt schon. Graphitmoderierte Reaktoren bergen ein enormes Risiko, das die hier üblichen Siedewasser- und Druckwasserreaktoren in der Tat grundsätzlich nicht haben.

Bei Graphitreaktoren muß ständig aktiv von außen eingegriffen werden, um die Kettenreaktion im Zaum zu halten. Dieses systembedingt hochriskante Prinzip wird üblicherweise dann verwendet, wenn man Material für Atombomben gewinnen möchte. Mit Wasser geht das nicht.

Wasser als Moderator hat einen entscheidenden Vorteil. Sobald es kocht, bilden sich Dampfblasen, die Neutronen nicht mehr bremsen können, wodurch die Kettenreaktion von selbst zum Erliegen kommt. Dieses Verfahren ist deshalb sehr viel besser zu beherrschen.

Leider besteht ein Kernkraftwerk nicht nur aus dem Reaktorkern. Drumherum ist massenweise Technik, deren Versagen nicht minder verheerende Folgen mit sich bringen kann, wie es in Tschernobyl passierte.

Zudem gibt es weder, wie Herr Matt bereits anmerkte, ein tragfähiges Konzept für die Abfälle, noch, wie immer gerne übersehen wird, ausreichende Uranvorkommen, um diesen Irrsinn langfristig zu betreiben.

fellow passenger · 08.07.08, 00:49 Uhr

Alles richtig - aber auch alles seit Jahrzehnten bekannt. Selbst mir. Nur die Hoffnungen in die Kernfusion durfte ich mittlerweile ebenfalls begraben.

Ich habe deshalb den >Ursprungsartikel unter eine andere Überschrift gesetzt.

Meine eigenen Expertisen werde ich künftig auf eine Sache beschränken, von der ich noch weniger verstehe: den Fußball.

Seeblogger · 08.07.08, 01:32 Uhr

Selbst ein >Hamburger Befürworter der Kernenergie gibt übrigens zu bedenken:

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2.3 Contra Kernkraft (pro Ausstieg)

Die Punkte, die ich als problematisch ansehe, werden seltener in der Öffentlichkeit diskutiert:

1. Der Kriegsfall: Woher nehmen wir das Vertrauen, dass im Kriegsfall Kernreaktoren von Zerstörung ausgenommen werden? Eigentlich kann man sich nur auf die Angst des Angreifers verlassen, der selbst die radioaktive Verseuchung scheut. Aber im Krieg kann man nicht auf rationales Handeln vertrauen!

Und während ich dies schreibe, wird mir plötzlich klar, warum die Amerikaner in Serbien “Grafitbomben” getestet haben! Die sind ganz offensichtlich für Kernkraftwerke entwickelt worden. Ausschalten der Stromversorgung ohne Zerstörung des Reaktors. Plötzlich bekommen die Grafitbomben Sinn!

Aber wer kann sich darauf verlassen, dass Pakistan oder Indien, wenn sie denn aufeinander schlagen sollten, in Indien oder in Pakistan die kerntechnischen Anlagen schonen?

2. Liberia: Wir haben in den westlichen Ländern einen hohen Standard im Sicherheitsdenken, in Kontrollen und im Aufwand für die Sicherheit.

Es gibt andere Länder, in denen man großzügiger umgeht mit Gefahren, schon von der Kultur her. Wieder andere Länder sind arm, so dass ganz andere Sicherheitskriterien gelten. Ein typisches Beispiel sind in der Schifffahrt die sogenannten Billigflaggen-Länder. Prof. von Ehrenstein von der UNI Bremen hat daher im Zusammenhang mit der Kernkraft schon vor Jahren vor “liberianischen Verhältnissen” gewarnt.

Es gibt bereits Kernkraftwerke in solchen Ländern, z.B. in Bulgarien.

3. Unsichere Reaktortypen: Darüber habe ich bereits im Zusammenhang mit den RBMK-Reaktoren gesprochen.

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Terroristische Anschläge, eine m.E. aktuell viel größere Gefahr als den Kriegsfall, unterschlägt er freilich großzügig.

Seeblogger · 08.07.08, 06:35 Uhr

Wie ich schon mal geschrieben habe: Sie haben Tschernobyl als Beispiel gebracht (im letzten Beitrag), um das Risiko der Kernkraft darzustellen.

Dieser Vergleich ist absurd. Sie können mich gerne noch weiter vorzuführen versuchen, mich als „neoliberalen Experten” beschimpfen, mir eigene Beiträge widmen. Aber ich habe keinerlei Wertung über KKWs im Allgemeinen abgegeben, sondern Sie lediglich beruhigen wollen, was diese Art der Störfälle betrifft.

Was die Endlagerung, die Gefahr vor terroristischen Anschlägen etc. betrifft, habe ich auch große Bedenken. Da brauche ich keine falschen Parallelen zu vermeintlich ähnlichen Fällen.

German Psycho · 08.07.08, 08:27 Uhr

Ich führe niemanden vor und Beschimpfungen sind eigentlich auch nicht meine Spezialität.

Aber im Gegensatz zu Ihnen werte ich durchaus - nachdem ich mich vorher entsprechend informiert habe. Für den Beruhigungsversuch bedanke ich mich trotzdem ausdrücklich. :-)

Seeblogger · 08.07.08, 08:54 Uhr

finds schon auch irgendwie besser, die dinge differenziert zu sehen, ehrlich gesagt, weil das kommt eigentlich immer zu kurz. autofahren ist auch nicht motorradfahren. und wenn das einer sagt, bezweifelt er noch lang nicht die grundsätzlichen gefahren des straßenverkehrs. aus welcher motivation heraus auch immer so eine information vorgebracht wird, man kann solche sachbezogenen argumente ja immer diskutieren und sollte nicht gleich alles in einen topf werfen.
aber wie gesagt, das ändert nichts an den wohl von der mehrheit hier gestellten fragen - von dem her bezieht sich die information zwar auf ein interessantes faktum, ist aber erst kein unmittelbares argument gegen die grundsätzlichen gefahren der kernkraft.
nun bleibt dem ‘neoliberalen vordenker’ nur vorzuwerfen, dass er informationen streut die die eigentliche diskussion verwischen. leider eine gern gebrauchte taktik, ohne die nun GP unterstellen zu wollen. man kann es aber auch so sehen, dass man über solche informationen erst auf den eigentlich kern des problems stößt. das ist doch nett, oder? deswegen diskutiert man ja auch.

sonic hedgehog · 08.07.08, 10:14 Uhr

Sehr richtig. Jubelpersertum ist nicht wirklich meine Sache (außer bei Herrn Poodle), von Klugscheisserei spreche auch ich mich dagegen nicht immer frei. Da möchte ich doch gleich noch >einen draufsetzen

Opa · 08.07.08, 10:21 Uhr

Wie ich schon mal geschrieben habe: Sie haben Tschernobyl als Beispiel gebracht (im letzten Beitrag), um das Risiko der Kernkraft darzustellen.
Dieser Vergleich ist absurd.

in französischem Atomkraftwerk
30.000 Liter radioaktive Lösung ausgetreten

Die ausgetretene Lösung enthalte insgesamt etwa 360 Kilogramm nicht angereichertes Uran, das nur schwach radioaktiv sei, sagte Louet. In einem der betroffenen Flüsse wurde eine Urankonzentration rund 1000 Mal über dem Normalwert gemessen. Der Wert gehe aber rasch zurück, hieß es seitens der Aufsichtsbehörde.

Glück auf, Glück auf,
der Steiger kommt.
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
schon angezündt’
schon angezündt’

Schon angezündt’! Das gibt einen Schein,
und damit so fahren wir bei der Nacht,
Und damit so fahren wir bei der Nacht,
ins Bergwerk ein
ins Bergwerk ein …

corax · 08.07.08, 23:52 Uhr

Die Unterschiede zwischen RBMK-Reaktoren und der westlichen Technik setze ich als allgemein bekannt voraus. Ich habe mir alles gerade noch einmal durchgelesen und kann nirgends eine Stelle finden, wo ich behaupte, der Tschernobyl GAU könne sich im Westen wiederholen. Vielleicht passen die Fotos nicht zusammen - aber andrerseits sind gerade sie Ausdruck meiner Befürchtungen: ich misstraue den Sicherheitsbeteuerungen der westlichen Betreibergesellschaften und den von ihnen bezahlten Wissenschaftlern: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing - das ist doch nicht neu.

Fest steht: die Zahl der gemeldeten Störfälle nimmt zu (möglicherweise wird auch die Dunkelziffer geringer). Aber es schon besorgniserregend, wie z.B. HEW und Vattenfall versuchten, Störfälle zu verschweigen oder herunterzuspielen. Ich halte übrigens die durch menschliches Fehlverhalten verursachten Gefahren größer als technisches Versagen und wenn beides zusammentrifft eben für nicht mehr beherrschbar. Es gibt Situationen, in denen der Verstand aussetzt und fast jeder davonrennt, trotz bester Ausbildung oder Drill.

Als Tschernobyl passierte, lag ich mit dem Schiff in Australien und hatte eine Scheissangst um meine Familie und Freunde hier. Kurz nach dem Brunsbüttel-Stoerfall habe ich in Altona auf dem Bahnhof einen Kumpel getroffen, der im AKW Brunsbüttel arbeitete. Was er mir erzählte, hat mich nicht beruhigt. Wenn das Ding abgeschaltet ist, ist mir wegen meiner Hamburger Freunde wohler. Parties im Kerzenlicht können sehr stimmungsvoll sein.

Als Kind bin ich mit Gaslicht aufgewachsen, das hat tierisch gestunken und ist laufend ausgefallen - nächsten Monat werde ich 68.

Opa · 09.07.08, 15:02 Uhr

Bei 2,50 Euro für den Liter Sprit wird es auch der letzte verstanden haben, dass wir unbedingt Atomkraft brauchen, um wieder mit Genuss über die Autobahn zu heizen. So habe ich den Gesang der Nachtigall verstanden.

der Nachbar · 09.07.08, 16:22 Uhr

Ja, das singt sie uns wunderschön vor. Aber ihre Stimme kommt vom Band und viele von uns haben die Lüge erkannt: es ist eben doch die Lerche, die die Wahrheit kündet.

Heute schweigt sie zwar aber auch ihr neuer Morgen wird kommen und es wird ein Tag werden, an dem nur die Sonne strahlt.

Romeo · 09.07.08, 18:07 Uhr

Irgendwie seht ihr das Alle falsch.
Hier geht es schlicht um das Überleben der einfachen Menschen, die sich sonst die elektrische Energie nicht mehr leisten können. Nur durch die Atomkraft hben die die Möglichkeit, auch weiterhin Toaster und Waschmaschine benutzen zu können!!!!!!!!!!!!!!!

Und wer behauptet, dass der Energiewirtschaft mehr daran gelegen wäre, vollständig abgeschriebene Anlagen weiter zu betreiben, der sieht das falsch, der ist einer Ente oder so aufgesessen.

Immerhin gibt es Stimmen, die behaupten, durch den weiteren Betrieb der AKW’s könne der Durchschnittsverbraucher BIS ZU 50 Cent im Monat sparen.

Allerdings ohne Endlagerkosten, da die ja die Gesellschaft übernehmen soll, weil es ja bisher noch kein Endlager gibt.

Und das die Vorräte an Uran früher ein Ende erreichen wie Öl und Gas, das ist schon mal gar kein Problem, denn für was liegt denn in den Schubladen die vollständige Technik für schnelle Brüter und Plutoniumwirtschfat?????

molgugge · 09.07.08, 18:57 Uhr

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