Club der halbtoten Dichter

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Club Magazin 7/08

Politik und Zeitgeschehen

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Feuilleton

Über die Authentizität in der Lyrik

von Opa Edi

An deinem Busen möcht ich rasten
wie die Sau am Futterkasten.

Es handelt sich hierbei zweifellos um eines der innigsten und bekanntesten Werke der Liebeslyrik überhaupt. Leider mangelt es dem unbekannten Poeten an jeglicher Kenntnis artgerechten Verhaltens:

Schweine sind Allesfresser mit einem ausgeprägten Bedürfnis nach Nahrungssuche. Etwa 70 Prozent der Aktivitätszeit wird mit Futtersuche verbracht. Sie bevorzugen abwechslungsreiche Kost, die nach Möglichkeit wühlend aus dem Erdreich geholt wird.

Authentisch wäre zum Beispiel folgender Text:

In deinem Schoße, bei den Trüffeln,
würde ich gern ein wenig schnüffeln.

5 Kommentare

Sehr geehrter Autor,

im Hinblick auf die Authensitätsverbesserung für doch nach eigenem Bekunden eines der innigsten und bekanntesten Werke der Liebeslyrik überhaupt wage ich es, Bedenken anzumelden!

In der verbesserten Fassung:

“In deinem Schoße, bei den Trüffeln,
würde ich gern ein wenig schnüffeln.”

wird eindeutig Bezug genommen auf am, im oder nahe dem Schoße befindliche “Trüffeln”, die noch dazu einen offensichtlich identifizierbaren Geruch abgeben.
Wenn man nun bedenkt, dass Trüffeln knollenähnliche Gewächse sind, die welche sich eigentlich nur unter einer kräftigen Deckschicht von Erdreich in der Umgebung hochaufragender Eichen vorzukommen pflegen und berücksichtigt, dass ausdrücklich von “Trüffeln”, also der Mehrzahl, was ja bedeutet mehr als eines, mindestens zwei, dieser Gewächse die Rede ist, könnte diese Verbesserung darauf hindeuten, dass sie entweder nur von weiblichen Nutzern der Lyrik genutzt wird oder aber, wenn nicht, auf eine Auslegung, die welche dem Normalgebrauch der Liebeslyrik in der heterosexuellen Beziehung zuwider läuft.

Dadurch aber wird der in der Urfassung gewährleisteten allgemeinen Gebrauchsmöglichkeit derselben Gewalt angetan!

Und das ist ein Widerspruch in sich selbst, weil doch das Antun von Gewalt eigentlich diametral dem angesprochenen Wunsch nach Rasten entgegensteht.
Wobei hier bitte das Stehen nicht in Bezug auf die Eichen misszuverstehen ist!!!!!

herzlichst
Ihr Kritiker!

molgugge · 12.02.08, 21:10 Uhr

In Deinem Schoße, bei den Trüffeln,
riecht’s manchen Tag nach nassen Büffeln,
so klamm, so muffig, gammelig,
und doch macht’s mich fast stammelig.

Ole · 12.02.08, 21:52 Uhr

Lieber Herr Bedenkenträger,

Sie leiden eindeutig an einer Authenzitätskrise, die jede sich möglicherweise zart anbahnende Liebesbeziehung bereits im Ansatz zu zerreden imstande ist. Mit anderen Worten, Sie klingen wie ein Jurastudent, der auf der Volkshochschule einen pathologischen Nachhilfekurs im Sezieren belegt, in der mündlichen Zwischenprüfung.

Sowohl die Eiche wie auch die Eichel sind weiblichen Geschlechts, ganz egal wo sie gerade herumstehen bzw. -hängen. Nicht umsonst heißt es: “Was kümmert es die Eichel, wenn sich die Wildsau an ihr scharrt.”

Wie lieblich und authentisch klingen dagegen die meisterlichen Zeilen unseres Herrn Ole. Ich kann die verführerisch betörende Büffelkuh fast riechen. Und doch deutet er seine wahren Gefühle nur an. Weiß er doch als Meister des dialogischen Prinzips zwischen Dichter und Leser, wie schnell sich aus dem fast stammelig ein ganz rammelig entwickeln kann. Das ist wahre Dichtkunst!

Opa · 12.02.08, 23:53 Uhr

viele künstler arbeiten ja dicht. haben sie dichtkunst schon mal so betrachtet?

*stößchen!*

mudshark · 13.02.08, 08:18 Uhr

Jau, mit Bessen Genever im Eierbecher - hau weg den Scheiß!

Opa · 13.02.08, 17:28 Uhr

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