Club der halbtoten Dichter

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Aerzte

Götter sind auch nur Menschen, jedenfalls die in Weiß. Und Menschen können sich irren. Daß man mir im Allgäu den halben Fuß abnehmen wollte und ich deshalb nach Hamburg geflüchtet bin, habe ich Ihnen bereits erzählt. Dort war es dann mit einem Gips getan:

gipsy

Bei meinem hauptamtlichen Lieblingsenkel (Foto rechts) haben sich die weißen Götter gottseidank ebenfalls geirrt, auch davon habe ich bereits berichtet.

Heute möchte ich Ihnen ein bißchen mehr über Opa Rudi erzählen, meinen Schwager und besten Allgäuer Freund. Also das war so:

In den wilden Siebzigern des vorigen Jahrhunderts wohnten wir im 2. Stock der Terrassenwohnanlage am Adenauerring in Kempten direkt nebeneinander. Rudi passte auf meine Wohnung auf, wenn ich zur See gefahren bin. Er war mit Uschi, seiner großen Liebe verheiratet und ist es noch. Einziger Wermutstropfen bei den beiden: sie konnten keine Kinder haben. Das hatten ihnen die Ärzte gesagt und so war es auch. Also schaffte man sich Topsy, eine Collie-Hündin an, damit man nicht ganz so alleine war, Opa Edi trieb sich ja meist in Australien oder Japan herum und kam nur alle Jubeljahre mal auf ein paar Monate zu Besuch.

Als ich 1977 - Uschi und Rudi waren zehn Jahre miteinander verheiratet - wieder einmal zu Hause eintrudelte, staunte ich nicht schlecht: Topsy hatte eingeschläfert werden müssen aber Uschi war schwanger. Die Ärzte hatten sich also wieder einmal geirrt. Natürlich war ich einer der Taufpaten, auch wenn das Süßwasser evangelisch schmeckte:

patenopa

Und das ist sie, Daniela, die Mutter von Agent Leslie. Sie gedieh prächtig:

daniela

Die allgemeine Freude war übergroß, auch wenn die Ärzte sagten: “So einen Fall gibt es vielleicht einmal in einer Million.” Und: “Sie können sicher sein, das wird sich nicht wiederholen, vom medizinischen Standpunkt aus gesehen, ist schon das hier ein Wunder.” (Die Ärzte waren vermutlich katholisch).

Als ich vier Jahre später wieder einmal nach Hause kam, lag Uschi im Krankenhaus. Sie war schwanger. 8 Monate hat sie dort gelegen, es war nicht leicht. Aber die beiden wollten das Kind haben und es ging gut:

steffi2

Steffi, die Mutter von Agent Quentin:

quentin

Opa Rudi war der Glücklichste von allen, aber wissen wollte er doch von den Leuten in der Robert Weixler Klinik:

“Wie ist das möglich, daß Sie sich so sehr getäuscht haben?”

Die Ärztin, Frau Dr. B., eine kräftige Dame von mindestens 1,80 m Körpergröße, legte ihren Arm um seine Schulter (“Ich hatte keine Chance”) und sagte:

“Wir sagen jetzt gar nichts mehr. Aber das konnten wir auch nicht ahnen, daß Sie so ein geiler Bock sind!”

*

sweet child and roses

7 Kommentare

im allgäu geht’s halt noch nach der holzhacker-methode. ;)

herold · 31.01.08, 15:58 Uhr

Die Aussage der Ärztin ist ja wohl unter aller Kanone! In meinem Bekanntenkreis kenne ich allein vier Paare, die angeblich auch kinderlos bleiben sollten und trotzdem prächtige Nachkommen in die Welt gesetzt haben.

sillerbetrachter · 31.01.08, 16:17 Uhr

Warum ist die Aussage der Ärztin unter aller Kanone??
Stellt man in Rechnung, wo sie getätigt wurde, im Allgäu, sollte sie wohl für einen Mann das in dieser Beziehung höchstmögliche Lob ausdrücken, verbunden mit einer gewissen Bewunderung und gleichzeitig Neid!!!!!

Ach ja, meine Tochter war irgendwann auch mal unterwegs. Nach dem bei meiner Frau unabhängig voneinander 3 Frauenärzte festgestellt hatten, dass sie wegen massiver hormoneller Beschwerden selbst beim besten Willen nicht schwanger werden könne und wir uns wohl mit dauerhafter Kinderlosigkeit abfinden müssten.

molgugge · 31.01.08, 16:29 Uhr

@ Herold:

Sehr richtig. Und nicht nur in dieser Hinsicht ;-)

@ Sillerin:

Ja, sowas soll nicht nur im Allgäu vorkommen und nicht nur im medizinischen Bereich. Man denke nur an die neuesten Erkenntnisse amerikanischer Ernährungswissenschaftler ;-)

@ Molgugge:

So hat es Opa Rudi auch gesehen, als großes Lob. Und auf die Ärztin läßt er nichts kommen, schließlich hat sie 8 Monate lang mitgebibbert. Wie man sehen kann, erfolgreich :-)

Fruchtbarer Paten-Opa · 31.01.08, 17:05 Uhr

>>”Tod den Ärtzten” (Walter Erich Richartz) Einer meiner liebsten Literaten, leider unterschätzt.

mq · 31.01.08, 20:14 Uhr

Herrlich:

Mit diebischer Freude analysiert er die Chirurgie als bäuerliche Arbeit, die jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt. Im Herbst etwa sei Abschneiden, Hacken und Zersägen angesagt - gleich der Holzarbeit auf dem Lande.

Danke für diesen Link!

neobazi · 31.01.08, 21:57 Uhr

ärzte sind halt auch nur menschen und medizin keine einbahnstraße

suzan · 31.01.08, 23:20 Uhr

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