Club der halbtoten Dichter

Club der halbtoten Dichter

Kriegstagebuch 96/97 (6)

25.12.96

Das Weihnachtsmenü: Ein Schaschlik für 4,50 DM in der Kneipe der Hamburger Zimmerleute an der Ecke Große Freiheit/Reeperbahn. Spaziergang zum Bahnhof. Herrlicher Sonnenschein, aber saukalt. An der Alster spiegelt sich die Sonne auf dem Eis und hat so fast die doppelte Kraft. Erstes Frühlingsahnen. Anruf in Obergriesbach: alles klar. Auf dem Rückweg schneit es leicht aus einer großen, schwarzen Wolke. Drumherum noch blauer Himmel.

26.12.96

Auch tagsüber zweistellige Minusgrade bei wolkenlosem Himmel.

Schwarzbrot schmeckt ausgezeichnet und überhaupt nicht trocken, wenn man es zusammen mit einem Apfel kaut. Dazu noch einen halben Liter Milch: gesünder gehts nimmer. Im Hauptbahnhof ist es eine Idee wärmer. Von meinen Freunden ist keiner da, auch Christian nicht, vielleicht hat die Operation Weihnachtsmann doch etwas genützt. Ich friere tierisch.

Plötzlich stampft ein riesiger Kerl in Weiberkleidung durch den Bahnhof. Schlecht rasiert, mindestens 3 Zentner schwer mit einem roten Kleid und einem Hut wie der Dreispitz von Napoleon. Sein weißer Hund ist auch viel zu groß für eine “Dame.” Alle schütteln die Köpfe, ich muß richtig lachen und schon ist es nicht mehr ganz so kalt.

27.12.96

Trotz reichlicher Bewegung an der frischen Luft immer häufiger Herzjagen. War früher nur bei Hitze im Sommer. Kaffee und Zigaretten stark eingeschränkt, abends gibts jetzt ein Bier. Christian wiedergetroffen und kurz bei “Max.” Er hat über das Weihnachtsmärchen nachgedacht und findet die Geschichte stark. Anschließend in einer Super-Absteige (DM 20.-) das Foto nachgeholt. Ich glaube, der Junge ist in Ordnung.

So eine Scheisse, es ist zum Verzweifeln. Es gibt keine Lösung für die ganze Drogen Misere .

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2 Kommentare

Hallo Opa, leider nicht zum Thema: Hab erst jetzt entdeckt, dass du mir eine lustige Namensänderung in der Blogroll verpasst hast, “ein schweizer in Kasachstan” - gefällt mir. Hoffe alles Bestens im alten etwas stark stagnierenden Europa. Ausser Fussball setzt der Kasache nicht viel auf das alte Geistige Zentrum der Welt.

Gratulation noch zur eigenen Domain, Unabhängigkeit muss sein und eine gewisse Portion Partisanismus ebenfalls.

rafael · 30.11.07, 18:31 Uhr

[…] Weiter  […]

Club der halbtoten Dichter » Kriegstagebuch 96/97 (5) · 04.12.07, 17:45 Uhr

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