Club der halbtoten Dichter

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alter peter

post-moderne beliebigkeit

(peter kornatzki)

oft begegne ich regelwerke, die eine konzeptkurzsichtigkeit mit kontrollzwang durch 1001 krücken in form von schranken, versuchen zu stützen. ob es sich um die erscheinungsrichtlinien eines unternehmens handelt oder den grundgesetz eines landes, ist die zu grunde liegende idee verständlich (z. b. »erco verkauft licht, keine leuchten« oder »die würde des menschen ist unantastbar«) bedarf sie keinen endlosen strom an interpretationsregeln. die ironie dabei ist, sowohl die einen als auch die anderen versuchen durch unendlichen definitionen ein system zu offenbaren, die flexibel und frei sein sollte.
nun, wenn ein mensch ein klares verständnis von »gut und böse« besitzt oder ein gesundes intellekt, wird er nie diese, in ihm verankerte gesetze, überschreiten und, beispielsweise, stehlen oder eine eine überschrift in grossbuchstaben setzten. hierfür bedarf es keine regeln. weshalb gibt es tonenschwere erscheinungsbild-richtlinien und gesetzurwälder, in denen ein jeder sich verirrt und gefahr läuft, irgendein regel zu brechen?

ich hinterfrage weder die existenzberechtigung des eines noch des anderen: ein fundament bedarf jedes gebilde. doch die mutproben der gesetzgeber sind wie ein holzwurm (danke bazi): mit jedem neuen eingriff (oder angriff) droht einstürzgefahr. anders bei erscheinungsbildrichtlinien, die ohne hin auf dünen stelzen stehen: eine leichte brise der hinterfragung bringt die klapprige konzeptlosigkeit ins schwanken.

5 Kommentare

Danke für dieses hochinteressante “Wort des Tages”. Der alte Peter wird mich auch mit seinen Versuchen der Möglichkeiten noch einige Zeit beschäftigen.

Sie alter Gestalter, Sie …

Neo-Bazi · 07.07.07, 08:37 Uhr

Sehr richtig, sehr wichtig. Verirrt in eklektischer Beliebigkeit verkleistert sich vieles in “Nichts!” sagender Verrätselung, in kolossal kakophoner Kollage und wurmstichigem Wimmeln. Doch das Wort des Tages selbst hat den Schmiss und Charme der Düsseldorfer Tabelle.

Ole · 10.07.07, 13:00 Uhr

kolossal kakophoner Kollage!
nun ja, soweit ich mich richtig entsinne, wurde einst unser bester vivaldi der diabolischen kakophonie angeklagt!
ist ästethik geschmäcklerische empfindung oder rationale systematik?
seit die post-moderne die emotion hinzuzog ist alles ausser rand und band geratten. hinfort mit der ära der vernunft. dies sie höchst inhuman.
nun eine serenade aus kindesschreien bestehend mag post-modern sein, tut aber weh.
die einstigen kläger von vivaldi werden im himmel stockhausen nie begegnen, denn sie hatten einstimmig (unison) beschlossen ihn auf den grill chez mephistó zu schicken. das om- und aleluja-gedudel im äther duldet keinen post-modernistischen ratatazong.

kubelick · 10.07.07, 14:13 Uhr

Stockhausen ist eh auf dem Weg zu Sirius, ich weiß nicht, ob er einen Umweg über den Himmel machen wird.

Ole · 10.07.07, 19:02 Uhr

in diesem sinne hatte die sz heute eine cd von einem fanatischen österreicher vorgestellt und reichlich gelobt, die ausschliesslich mit 12-ton musik bespielt wurde. die musikkritischen linguistischen beschreibungsanstrengungen waren nicht minder kolossal kollagiert.

kubelick · 11.07.07, 11:16 Uhr

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