Club der halbtoten Dichter

Club der halbtoten Dichter

das neue rubinrote gesicht der münchner suppenküche

rubinrot.
tausendundeinenacht, gobelin und onduleuse. granatapfellippen, die scheu hinter sieben gazeschleier glühen.

rubinrot.
eine kindlich-zerbrechliche asiatin in einem rubinrotem chinajacqard-qipao, der mit lerchen und kirschblüten zärtlich bestickt ist.

vanille.
süsslich-betörende düfte, schwer und bezaubernd. rubinrote sonnenuntergänge, träge schwebende aromen. vielleicht aus einem nahgelegenen stupa.

moment.
rubinrot und vanille sind die neuen farben der münchner suppenküche. RAL-farben sind das.
kein rattan. keine räucherstäbchen. keine banglassis. keine quasten. dafür leberknödelsuppen, grantig dekoriert mit einer handvoll schnittlauchröllchen.

woran dachte wohl der grafiker, als er die blass-blaue-käsweiße tradition zu modernisieren versuchte? gewiss nicht an die fettaugen, die großelterlich in der suppe schaukeln.

der misslungene verhübscherungsversuch, verjüngunskur, erinnert eher an eine sonnenbankgebräunte plieninger oma, die safran für ein hüftenlanges jacket hällt und damast für einen granatapfelgebräu.

schaddrum.

http://www.muenchner-suppenkueche.com/

2 Kommentare

Ich kenn ja den Laden nicht. Vorher nicht und jetzt auch nicht, mein lieber Kubelick. Aber ich finde, ein grantiges Dekor ist doch was Superes. Das kann man sich so richtig vorstellen. Und Suppen mag ich eh meistens nie.

Rationalstürmer · 15.05.07, 21:53 Uhr

mister stormy,

es gibt viele läden, die suppen und desgleichen herstellen und damit ihr geld machen. doch die münchner suppenküche ist zum viktualienmarkt, wie das valentinmuseum zum isartor. herrlich unprätentiös, klebrige bierbänke, immer eine schlange in einem durchgang zwischen zwei gemüseständen. also eigentlich, ist da kaum raum für eine schlange. doch es gibt kein plätzchen auf den bierbänken. das die rote-rüben-ingwersuppen die leberknöddelsuppen vom platz 1 vergedrängt hat, liegt daran, dass das gesamte gärtnerplatzviertel verkommen ist. die schraubenzentrale muss noch da sein. sonst muss man regelmässig vorbeischauen, denn es bleibt kein laden länger als ein paar monate bestehen. mal sind die wände rubinrot, mal vanille.
grantiges personal findet man lediglich im fraunhofer. auch jetzt noch. das nenne ich corporate-culture!

kubelick · 15.05.07, 23:36 Uhr

Kommentar hinterlassen

* = Pflichtfelder, E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Quicktags: