Club der halbtoten Dichter

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reisen mal anders

Demonstrations-Tourismus

11 Kommentare

Mein Lieblingsmusiklehrer, Prof. A., vertrat bereits damals die Meinung, dass die Demonstrations-Touristen in Wackersdorf alle von drüben bezahlt seien. Aber er war ein wunderbarer Pianist.

Opaist · 29.09.06, 20:29 Uhr

Jede Art von Massentourismus ist eine Bedrohung, auch wenn die Touristen Rucksäcke tragen.

Neo-Bazi · 29.09.06, 20:34 Uhr

Massentourismus ist eine starke Kraft, die Bestehendes kaputt macht, z.B. intakte Naturräume und soziale Strukturen, und Neues ermöglicht, z.B. wirtschaftliche Entwicklung und interkulturellen Austausch. Gesellschaftlich und ökologisch verträglicher Tourismus kann helfen, den Schaden klein zu halten.

Neckarflößer · 30.09.06, 00:48 Uhr

Auf interkulturellen Austausch dieser Art würde ich gerne verzichten. Die Neckermänner sind überall auf der Welt eine Landplage oder leben, wie in der Karibik, vielfach in Ghettos.

Aber darum geht es wohl hier eigentlich gar nicht, die Betonung liegt wohl eher auf der Demonstration. Auch hierbei gibt es eine Artenvielfalt. Man denke nur z.B. an Wackersdorf, den Frankfurter Flughafen, Gorleben, die Elbvertiefung, Naziaufmärsche, die Reisen der Herren Bush oder Papa Ratzi, die Ausflüge korrupter Politprominenz oder Pazifistendemos in Krisengebieten.

Interessant wird es meist, wenn gegen eine Demonstration demonstriert werden soll, da finden manchmal regelrechte Kreuzzüge statt. Meine antifaschistischen Freunde z.B sind viel unterwegs. Auch die Hamburger Bambule-Leute sind sehr mobil oder die Bauern aus dem Alten Land.

Vor allem, wenn Stärke demonstriert werden soll, finden regelrechte Völkerwanderungen statt.

Auch die (von mir sehr geschätzte) Firma attac sollte besser ein eigenes Reisebüro eröffnen.

Neo-Bazi · 30.09.06, 07:38 Uhr

Man fragt sich, wie das ganze langhaarige und Stromgitarren spielende Bombenlegergesindel die politischen Bildungsreisen überhaupt finanziert - wo die Kosten doch jetzt nicht mehr von drüben übernommen werden.

Opaist · 30.09.06, 13:22 Uhr

nun, es stellt sich viel mehr die frage, ob auch der ahnungslose erholungsuchender in unseren reaktionären zeiten, in denen ein jeder eine meinung für und gegen hat und scheut nicht sie zu verkünden, unweigerlich in eine demonstration gerät sobald er das traute heim verlässt. es ist überhaupt, nach cocooning, die 2. beliebteste hobby der weltbevölkerung. und vor allem, so mitreisend!
ob budapest oder berlin, d.c. oder dessau, moskau oder mogadishu es wird demonstriert.

kubelick · 30.09.06, 13:38 Uhr

Ich teile meine Meinung mit Mutter Natur. Uns ist es schnurz, ob die Menschheit hopps geht oder nicht. Respekt gegenüber Leuten, die das anders sehen. Egal, wo.

Nullgurqe · 30.09.06, 15:35 Uhr

Phil schlimmer finde ich Katastrophen-Tourismus…

Phil · 30.09.06, 17:23 Uhr

wertung… ich weiss nicht, was schlimm ist. katastrophen-tourismus? ist das sowas wie in stoßzeiten gern autofahren und sich an einer bescheurten ampelschaltung aufgeilen? oder zu einem bestimmten diner fahren, in welchen die schraubverschlußkappen der ketsupflaschen nicht draufgeschraubt sind sondern nur draufgesteckt und beobachten, wie reihenweise die gäste sich und die pommes mit blupsenden ketsupunmengen bekleckern? oder nach bielefeld zu einem von kalkablagerungen zerfressenen waschmaschinenröhren und den einhergehenden überschwemmungen und den dazugehörigen piepsenden uuhenden und ahnenden hausfrauen pilgern? freilich ohne calgontabs.

ein tipp für alle katasrophen-touristen:
harry’s new york bar. meinereiner bestellt eine daiquiri und erhällt sie in einem falschen glas. eine wahre katastrophe.

ich möchte nichts trivialisieren, nur die wertungen überraschen mich. wie stet es auf der werteskala mit sex-tourismus? den verruchten moers’schen bumsbomber nach bankok? bei katastrophen-tourismus ist keiner ausser der beobachter (aus eigener, ganz besonderer triebsteuerung dahingekommen) in gefahr.

vor über 350 jahren hat mister pascal behauptet »alles unglück in der welt kommt daher, dass man nicht versteht, ruhig in einem zimmer zu sein.«
die erholung- oder spasssuchende ziehen los um sich selbst entweder zu entfliehen oder sich selbst zu finden. die reise, also die physische reise, ist just ein hilfmittel hierbei. diese reise, nach mister pascal und anderen werten gentlemen, kann man getrost auch in seinem zimmer, allein unternehmen.

kubelick · 30.09.06, 19:41 Uhr

Am tollsten finde ich Blog-Touristen. Alle rüber zu mir, bidde!

Burnster · 30.09.06, 21:45 Uhr

Eigentlich ein uraltes Problem. in einem vor dreieinhalb Jahren in der Schweiz eingebrachten Gesetzentwurf z.B. heißt es wörtlich:

…dass es offenbar eine organisierte und gewaltbereite Szene gibt, die internationalen “Demonstrationstourismus” betreibt. Diesem Phänomen sind auch an sich friedlich gesinnte Organisatoren von Kundgebungen, die Polizei, Immobilienbesitzer und Passanten ausgesetzt;…

Wahrscheinlich gab es so etwas bereits im Altertum. Reisen bildet und das Recht auf freie Meinungsäußerung ist wichtig. Auf das “Wie” kommt es an.

Neo-Bazi · 01.10.06, 00:35 Uhr

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