Heute möchte ich Ihnen einen meiner besten Freunde vorstellen:

Tekangui Utiera, seinerzeit Matrose auf MS “Heide Leonhardt”
Tekangui ist Kiribati (Gilbertese) und stammt von der Südseeinsel Onotoa:

Onotoa ist eine der südlichen ehemaligen Gilbert Inseln, eine typische Koralleninsel mit Lagune in der Mitte, festem Land im Osten (an der höchsten Stelle 2 m über dem Meeresspiegel) und Riffen im Westen.
Hier noch eine Karte der gesamten Inselgruppe:

Die Bewohner Onotoas haben den Ruf, etwas anders zu sein als die übrigen Insulaner Mikronesiens, etwa so wie die Schwaben unter den Germanen. Sie sind sehr sparsam und horten alles. Wenn dann zum Beispiel einer heiratet, öffnen sie ihre Verstecke und zaubern die wunderbarsten Dinge ans Tageslicht. Dann gibt es eine rauschende Party, von der noch Generationen ihren Kindern und Enkeln überliefern dürfen.
Genau so einer ist mein Freund Tekangui und hinterfotzig und schlitzohrig noch dazu. Gute Seeleute sind sie alle, aber er kann mehr, obwohl er es ablehnt, Offizier zu werden. Gitarre spielen und singen z.B. , nicht nur den Südsee-Sound, auch die Songs der Stones gehören neben anderen zu seinem festen Repertoire.
Zur morgendlichen Coffee Time um 10:00 Uhr treffen wir uns immer in der Mannschaftsmesse, ich sitze dort an einer Back mit den Matrosen. Rechts neben mir Klaus F. und gleich neben ihm Tekangui. Irgendeiner hat gestern abend das Bein einer weiblichen Schaufensterpuppe von Land mitgebracht und bei mir abgegeben. Um Viertel vor Zehn schleiche ich damit in Tekanguis Kammer und schiebe es halb unter seine Koje. Macht man die Tür auf, denkt man tatsächlich im ersten Moment, da liegt eine Frau unter dem Bett. Dann setze ich mich erwartungsvoll auf meinen Platz in der Messe und freue mich auf sein dämliches Gesicht.
Punkt zehn Uhr poltern die Leute herein, Tekangui kommt immer ein paar Minuten später, er geht wohl zuerst auf seine Kammer und macht sich frisch. So ist es auch heute. Allerdings zeigt sein Gesicht keinerlei Regung, er hat sich scheinbar im Waschraum aufgehalten. Ich bin etwas enttäuscht, aber na ja, dann sieht er das Ding eben heute mittag. Wir unterhalten uns ganz normal über den letzten und kommenden Landgang, Thema Nr. 1 und die nächste Bordparty. Um 10:20 Uhr sagt der Bootsmann “He geit” und jeder begibt sich wieder an seine Arbeit.
Als ich meine Kammer betrete, haut es mich von den Socken: Mein ganzes Toilettenpapier - mindestens fünf Rollen - hängt in Girlanden kreuz und quer durch meine Bude. Ich krieche gebückt drunter durch und falle laut lachend auf mein Sofa, fast hätte ich mich ein bißchen naß gemacht. Und was glauben Sie, was da unter dem Sofa hervorlugt? Natürlich, ein nacktes Frauenbein !
Wie hat der das alles bloß in der kurzen Zeit schaffen können, die fünf Treppen hoch, es waren höchstens fünf Minuten. Und wie kommt der überhaupt darauf, daß ich das war? Und alles, ohne sich auch nur das Geringste anmerken zu lassen. Unerhört, finden Sie nicht auch?
Ich bin doch schließlich der Funkoffizier …
Original Sound der Bordkapelle:
Reif fuer die Insel (mp3 2,7 MB)

09.06.1962 - 10 miles south of Christmas Island / Kiribati, das Foto zeigt einen US-Test. (via www.azfoto.com)
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