Was passiert, wenn Andre Heller sich mit der Fifa-Führungsspitze nicht einigen kann? Wenn Hellers interkulturelles, pando-manisches Lichtspektakel bei dumpfen phrasendreschenden Entscheidungsträgern ein »mirsanmir« Schulterzucken hervorruft? Was tun, wenn sein rundes ethno-holistisches Eventkonzept mit Tiefgang nicht in die eckigen Fußballtitanenköpfe hineinpasst?
Kein Problem. In München löst man so was mit Eleganz und Pomp.
München hat drei, ich wiederhole Drei, spitzen Dirigenten und die dazu passenden Orchester. Zubin Mehta, ein Abkömmling der Brahmanen Kaste, ist bereits seit einigen Jahren der Musikdirektor der Bayerischen Staatsoper. Seine Vorliebe für Wagner hat uns Münchnern himmlische musikalische Momente beschert.
Her damit.
Tielemann, Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker, auch Wagner Fanatiker, in München daheim, in der Welt zuhause, beispielsweise in der New Yorker MET. Klingt gut. Ist gut.
Her damit.
Seit 2003 Chefdirigent von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons. Sieht gut aus, ist sympathisch. Dirigiert wie Zeus.
Her damit.
Da Mariss stets von hinten zu sehen ist, muss auch den Damen was geboten werden. Wenn Kennt der Kaiser? Wie hieß noch dieser singender Fußballfanatiker aus Spanien? Ach ja, Dolores, Don Juan, Domino. Schmarn. Domingo! Domingo. Adonis. Klingt ähnlich. Ein wenig betagt. Macht nichts. Her damit.
Für die Jungen Leute holt man was Poppiges aber mit Würde und was auf Deutsch. Da wird es schwierig. Es darf nicht zu provokativ sein. Was aus dem Norden, um zu zeigen, wir in Bayern sind für alles offen. Söhne Mannheims. Klingt gut. Vielleicht steuert BASF was dazu. Ist ja indirekt auch ein wenig Werbung. LU ist gleich daneben. Und war nicht der Mann der Kanzlerin irgendwie Chemiker, Physiker, irgendwas mit Wissenschaft und Labor? (Den Witz mit dem »Tumerkel« lasse ich lieber weg.) Passt.
Her damit.
Zum Schluss ein wenig Pyrotechnik und fertig ist der Event. Und der Heller, der darf in Wien vor Neid erblassen.
Für den Spaßfaktor sorgte nicht etwas Beckmann, der den Bogen zum Fußball spannen dürfte, sonder Lang Lang, welcher zum Schluss, da es eisig kalt war, alle 20.000 Zuschauer in die, wie er berichtete, Musiker VIP-Zelt, einlud. Oida Kommunist. Der Greisliege.
Bei seiner bravourösen Präsentation der Rapsody in Blue von Mister Gershwin, haben die Jungs am Mischpult bereits entzückt gerülpst. Aufgrund von Freibier unter der Crew durften die Zuschauer etwa nur die Hälfte hören, was Lang Lang auf dem Steinway niederspielte. Zum Glück gab es zwei kleine Leinwände. So könnte man erahnen und musikalisches Lippenlesen betreiben.
Beeindruckend war O Fortuna, welcher von Zwei Chören und Drei Orchestern mich, wie eine Walkürendruckwelle überfuhr. Eine Offenbarung der Gigantomanie. Ich fühlte mich, wie bei Thor auf dem Schoß.
Die, die das Ereignis, mal ohne Adjektiv, nicht live in 3SAT oder dem Bayerischen Fernsehen verfolgen könnten, habe ich einprägsames Bildmaterial erstellt.

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