den menschen, obschon sie sich seit anbeginn ihres daseins der verfeinerung und verbildung widmeten, bleibt die entschlüsselung und somit die entmystifizierung zweier rätsel aus: liebe und tod. unzählig sind die verklärungen und unerschöpflich das repertoire der therapeutischen übungen mit welchen der mensch seine ohnmacht wegzumalen, wegzudichten, wegzuglauben und wegzudenken versucht. und wegzuverfilmen.
ob für die liebe oder ihretwegen, derren verbleib oder derren nebenerscheinung (eifersucht, beweisnot, z.b.) der tod herhalten muß ist irrelevant. doch eins ist gewiss: wo die liebe hinfällt, liegt meist unweit davon eine leiche. eine aufzählung der beispiele, auch beim endlosen papier des browers, wäre ermüdend wenn nicht müssig. beide sind unser aller treue begleiter, wie das atmen oder eben dann nicht mehr.
die österreicher, weltkluge kunst- und kultureiferer, unterscheiden sich hierrin kaum von der rest der menschheit: künstlerische raffinesse und unabdingbare intellektualität sind die orientierungswerte, ihre richtlinien bei der unerbittlichen suche nach der unauffindbaren jedoch zu existieren geglaubten aufklärung. koste es was es wolle. oder eben nicht.
mit einer idee (unabdingbare intellektualität) und einem videoaufnahmegerät (künstlerische raffinesse) begab sich auch peter kern auf den pfad des todes und der liebe um uns zunächst eine geschichte näherzubringen und ferner, uns aus der labyrinth der ohnmächtigen arglosigkeit zu führen.
weshalb dann stiftete sein film »donauleichen« mehr verwirrung und sorgte für eine störende desorientierung? hat er mir die augen verbunden und ließ mich in die dunkelheit tiefer hinabkreisen? ich weiß es nicht.
die geschichte ist, wie stets, sehr simpel: zwei menschen treffen sich auf eine brücke. dann wird es etwas komplizierter: diese sehr jünge, todessehnsüchtige menschen, teenager noch, wollen von der brücke in die donau springen. doch die berühmte wienerische höflichkeit hindert sie daran, ihr vorhaben durchzuführen. nach gescheiterten verhandlungen über die reihenfolge gehen sie eis essen - das tun kinder gern. über einen becher, turmhoch mit sprühsahne, gewährt der regisseur ein wenig einblick in das bisherige leben der beiden. der protagonist, ein unfähiger schlachterstiefsohn, ist ödipal und mishandelt, masochist und mörder. (vieleicht nicht in diese reihenfolge.) die protagonistin teilt seine beschissene schicksal einer verkorksten kindheit da sie von der tante mishandelt und anschliessend von der liebhaberin betrogen wurde.
die grotesken bilder erzählen vom schauderhaften hühnerschlachtübungen, blutkessel, dildos, einläufe, abgeschnittene ohren und karusellfahrten. vielleicht nicht in diese reihenfolge. die inszenierung wechselt zwischen abusrdem vaudeville und bestem trash-horror. eins bleibt jedoch gewiss: es sind kinder, welchen, wie die protagonistin abschließend verdeutlicht, die fähigkeit zu lieben ausgetrieben wurde.
verstört und verwirrt verliess ich das maxim. doch der gedanke, der mir bis in die kneipe nebenan, wie ein spanischer strassenköter verfolgte, war: weshalb braucht der mensch liebe?
ich weiß es nicht. doch eins bleibt gewiss: für eine erste rendezvous ist dieser film gänzlich ungeeignet.
12 Kommentare
Kommentar hinterlassen
* = Pflichtfelder, E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht