Club der halbtoten Dichter

Club der halbtoten Dichter

Schneeweißnicht und Rosentod

Es gibt Dinge, die verzeiht man sich selber nie, egal wieviel Zeit vergangen ist, egal wieviel man danach noch erlebt hat.
Vor mittlerweile gut und gerne zwanzig Jahren hat der NKD Mini-Preis-Markt in dem Kaff, in dem meine Kindheit und Jugend zu verbringen ich verflucht war, seine Schallplattenabteilung aufgelöst. Die haben die Dinger damals teilweise für fünf Mark rausgehauen, unter anderem auch die Meat is Murder von den Smiths. Ich weiß noch genau, wie ich vor dem Regal stand und mich schon das Cover irgendwie in seinen Bann gezogen hat, obwohl ich ehrlich gesagt von den Smiths noch überhaupt keine Ahnung hatte und meine Sumisu-Phase erst peinlich spät einsetzte. Der Herrscher in meinem Musikuniversum war halt bis dato Thomas Brennicke, Freitagabend um sechs auf Bayern 3.

Sei´s drum, ich hab die Platte nicht gekauft und beiß mich heut noch in den Arsch deswegen. Und das nur, weil ich an dem Nachmittag hernach noch mit dem Arzberger Markus und dem Huber Olaf zum Streuselkuchenmitbierundbratwurscht-Termin verabredet war und mir sonst mein Taschengeld für diese wöchentliche Bubenfreundschafts-Zeremonie nimmer gelangt hätt. Immerhin hab ich den Kauf Jahre später nachgeholt und kann jetzt ganz nach Lust und Laune mein Herz in Tränenseen wie I want the one I can´t have and it´s driving me mad ertränken, auch nicht schlecht.
Und weil das gerade so gut passt, möchte ich dem geneigten Publikum an dieser Stelle das neue Werk von Herrn Morrissey ans Herz legen. Es ist jetzt vielleicht nicht unbedingt sein piece de résistance, aber für textliche und absolut tödliche Volltreffer wie I entered nothing and nothing entered me - Til you came with the key - And you did your best but - As I live and breathe - You have killed me - You have killed me - Yes I walk around somehow - But you have killed me - You have killed me muss man ihn einfach lieben.

Der Kopf zappt sofort in den italienischen Schwarzweißfilm, schaltet auf Migränestatus und macht Bilder, gegen die weder Aspirin noch Paracetamol helfen.

Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus.

6 Kommentare

Für mehr Morrissey und Morricone. Mit den Smiths werde ich als Unfreund der Klangästhetik der achtziger zwar immer noch nicht richtig warm, aber ich robbe mich heran, und des Morrisseys “You are the quarry” mochte ich schonmal enorm. Es sind Hopfen und Malz noch nicht komplett auf der Verlustliste.

Au-lait · 31.03.06, 16:40 Uhr

Jaja, die 80erklänge. Man kann glaub ich auch gar nicht richtig warm werden damit. Zu kalt gewesen damals und viel zu viel Synthiescheißer, da würd ich mir keine grauen Haare wachsen lassen, eine herzliche Unfreundschaft ist doch auch was wert.

rationalstürmer · 01.04.06, 03:19 Uhr

Starker Text und für manche tödlich, ja. Aber der Typ ist mir zuwider. Als Opa noch kein solcher war, hingen Deep Purple, Prince und Guns n Roses, später The Cure im walkman.

Nachtrag:
Dein Thomas Brennicke war für mich im gleichen Alter Fred Rauch auf Bayern 1 (Mittelwelle) mit Freddys “Mary Ann” (Sixteen Tons). Ich glaube, es war immer Mittwoch am frühen Abend.

neo-bazi · 01.04.06, 10:21 Uhr

Alter Ratiofarmer, lass dir mal einen Tipp gegen Kopfweh geben. Seit mein iPod kaputt ist und ich keine Musik mehr hoeren kann (ausser Rage Against The Machine im Hostel), hab ich bessere Laune. Oiwei der melancholische Scheissdreck.

Thomas Brennicke und die bayerischen Top Ten waren sorglos. Da schwang noch Limahl die Kopfpalme und Markus und Nena liessen das kleine Maglight burnen.

Die schwarze Fraktion in der Schule hat mir die Smiths udn Cure gezeigt und mit 16 wollte ich nicht nur den DJ vom Roxy erhaengen, sondern hatte endlich auch den passenden Song dazu

burnston · 01.04.06, 19:43 Uhr

Naja, ein bisschen komisch ist er vielleicht schon. Immerhin spannt aber der Anzug nimmer so arg überm Bauch. Auf Bayern 1 stolper ich übrigens manchmal zwischen sieben und acht rein (also kein Witz jetz), da gibts immer Alphorn und Ziachmusi. Ganz was Anderes, aber fein.

rationalstürmer · 02.04.06, 02:25 Uhr

I woaß scho, Burnse, i konn ja des Melancholerische eh seiba aa scho boid nimma hean, weis gar a so neidruckt ins Herzerl, dass an bis in Schädl aufe weh duad. Owa ma duad si hoid manchmoi z´Fleiß sauber seiba einischneidn, weis ja a grad a so schee bluadt. Kennstas eh (ich zitiere da nur You were never ever there at all).

Aber damals hinterm Mond ham wir natürlich noch gelacht, als Nena & Markus ich lieb´ dich in den Himmel geschrieben haben. Und ich glaub, mein Schwesterl hat sogar geweint, als es in der Bravo plötzlich nur noch Kajagoogoo-Poster ohne Limahl gab. Das hat sie dann in die Arme von Pierre Cosso getrieben, ganz böse Sache, von der sie sich nie wieder richtig erholt hat.

rationalstürmer · 02.04.06, 02:37 Uhr

Kommentar hinterlassen

* = Pflichtfelder, E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

Quicktags: