Nach meinem Empfinden sind wir mit Azubi-Hilfe nach kurzer Zeit kein schlechtes Team mehr. Jeder hat jetzt einen eigenen Rechner und wir arbeiten mit den Schiffen direkt via Satellit. Was ich abends und an den Wochenenden auf der VHS lerne, gebe ich vorsichtig dosiert an meine Damen weiter. Bereits im August 1999 kann ich ohne Bedenken einen längeren Allgäu-Urlaub antreten. Hierbei übertreibe ich allerdings etwas, denn nach einer ausgedehnten Tour bildet sich am linken Rheuma-Monsterhuf eine unappetitliche Infektion, die schlimmer aussieht, als sie ist.
Weil mir die weissen Götter in der Robert Weixler Klinik in Kempten gleich großen Zeh und Fußballen entfernen wollen (14 Tage vorher hatte man gerade einem anderen Patienten das falsche Bein amputiert) mache ich mich in Socken mit der Bahn auf ins AK Sankt Georg in Hamburg:

Ich liege auf Station 25 inmitten von Krebs- und Aidspatienten, Pennern, Junkies und Geschäftsdamen vom Steindamm. Dort entfernt man lediglich das infizierte Gewebe, verpflanzt einen Lappen Haut vom Oberschenkel und fixiert den Haxen:

Bei meinen Lieblingsenkeln bin ich jetzt Opa Gipsy. Jule, meine ehrenamtliche Pflegerin, schiebt mich im Rolli mit Karacho durch die Streets of Saint George. Wir dürfen vor dem Hospital sogar in einem ZDF-Krimi (Bela Block) als Statisten mitwirken, wenn wir nicht in die Kamera glotzen.
Währenddessen läuft in der Reederei alles reibungslos, die Damen machen das wunderbar. Es gibt ja auch Fax, Telefon und E-Mail, wenn sie mal wirklich nicht weiterwissen.
Leider wechselt unser Personalchef für den Seebetrieb, Kapitän Peter E., den ich aus gemeinsamen Londoner Tagen kenne, zu seiner alten Firma Ernst Russ.
Als ich meinen Dienst wieder antrete, treffe ich dort auf einen jungen Zweiten Offizier, der alleine die gesamte Personalabteilung für fast 1000 Seeleute schmeißt:

Peter K. mit seiner damaligen Freundin Maika zu Besuch im Café Sperrmüll in der Langen Reihe. Wenke und Marco, die das normalerweise machen, sind krank bzw. in Urlaub.
Auch eine meiner Damen geht in Urlaub, der Australien-Trip ist schon lange gebucht. Kaum ist sie unterwegs, erkrankt das Kind meiner anderen Mitarbeiterin, einer jungen Mutter.
Nun sitzen wir zu zweit, Peter und ich, in dem Großraumbüro am Rödingsmarkt und erledigen alle Personal- und Heuerangelegenheiten für über dreissig Schiffe. Die Telefone klingeln ohne Unterbrechung.
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