Club der halbtoten Dichter

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When there is nothing left to burn - Schlittschuhe raus!

Jetzt bin ich also tot. Und heiliger Bimmbamm, was für ein Sterben.

Ich mag ja nicht diese neunmalklugen Sprüche, die sagen, dass nichts ohne Grund geschieht, dass hinter jedem Dings und jedem Bums ein freundlicher alter Mann mit Portiersmütze steht, der Sinn heißt, und der mir nachher erklärt, wenn alles ertragen und verheilt und gefeiert und vollbracht und ist, warum das jetzt so war. Vorher soll ich aber bitteschön brav Spalier stehen, Mund und Augen offen, Kopf und Herz sowieso, wenn die apokalyptischen Reiter in wilder Hatz durch mein Leben reiten. Oder einfach “Ja!” sagen, so ganz ohne jede Nachfrage, wenn mir da am hellichten Tag die Sterntaler ins Schürzerl purzeln. Am besten auch noch klatschen, weils ja gar so dolle aufregend und so wunderwunderschön war.

Alles schön und gut, aber mit mir nur schwerlich zu machen. Liegt wohl am Sternzeichen. Die Frau Gaga drüben hat das neulich mal ganz nett ausgedrückt: “Die Jungfrau hat´s ja gerne konkret und will das geträumte Zeug anfassen.” Es muss am Sternzeichen liegen, weil sonst lägs ja an mir. Und an mir kanns nicht liegen. Das wüsst ich.

Tja, so schön kann man sich das alles zusammenbasteln und fröhlich durch die Tage spazieren, und dann kommt plötzlich einer daher und lässt dich mir nichts, dir nichts sterben, und dann fragste dich doch ganz plötzlich nach dem Sinn, der da vielleicht doch, also man weiß es ja nicht, könnte ja sein, nur so dahingedacht, dass da vielleicht hinter all dem Humbug und der Schamanengaunerei tatsächlich der freundliche alte Mann mit der Portiersmütze steht, der jetzt ganz still in sich hineingrinst und im Weggehen “Na oiso, es geht ja eh! Bravo!” sagt.

So geschehen heute, kurz nachdem ich in Burnsters Schoß mein kleines Leben ausgehaucht hab, so lange vor der Zeit. (Anm.: Darüber reden wir übrigens nochmal, Kollege. Ein paar letzte Worte wären schon nicht schlecht gewesen.) Entdeckung des Tages war nämlich nicht nur, dass dieser Januar überhaupt nicht so kalt ist, wie immer alle sagen. Leute, da draußen scheint seit Tagen die Sonne! Und es gibt Tenorhörner und Posaunen, es gibt Streicher und ein Klavier, und es gibt einen wunderbar verborgenen Dreivierteltakt. Alles das ist da.

I´m not sorry I met you.
I´m not sorry it´s over.
I´m not sorry there´s nothing to say.

Und ich habs gefunden. An dem Tag, an dem ich gestorben bin. Die Leut, denen ich das zu verdanken hab, heißen Stars. Und das Lied heißt Your Ex-lover is dead. Hinhören bitte. Es ist wunderschön.

7 Kommentare

Wow. Alles ist da. Ich bin es nicht, und ich schlittschuhlaufe doch. Durch die Vergangenheit, die so unvirtuell und virtuell war, daß ich es mir fast nimmer vorstellen kann. Alles ist da. Da vertraue ich einfach drauf, ohne meine Worte, mit all meinem Reden. Eine Umstellung, fürwahr. Ob’s besser ist oder schlechter, mag dahingestellt sein. Jeder wie er will, so im allgemeinen. Ich komme mir vor wie ein Kindergartenkind, und ich warte auf die Wahrheit. Um auf ihr die Schlittschuhe auszupacken.

dieJulia · 26.01.06, 02:09 Uhr

Schön, daß alles das da ist. Aber es ist nicht alles. Unser Spiel geht bisher gut auf, er hat tatsächlich nicht geschnallt, daß es der Don war, der in seinem Schoß verblutet ist. Der falsche zwar, eigentlich wollten wir den anderen opfern, aber das ging nicht, wegen der kaputten F(V)erse.

Nicht einmal der MCWinkel hat was gemerkt, und den hat Pullach auch schon mal sterben lassen.
Burnster glaubt immer noch, alles sei eine Verschwörungstheorie, dabei ist doch alles das da . Schon längst.

Nachtrag:
Song runtergeladen und im Kasten. Danke.

neo-bazi · 26.01.06, 14:04 Uhr

Ja Julie, man bringts leicht durcheinander und hinterher fragt einen die eigene Vorstellung Löcher in den Bauch. Tipp: Nicht warten. In skating over thin ice, speed is our safety.

rationalstürmer · 26.01.06, 14:48 Uhr

Man muss aber auch sagen, dass es echt recht wild zugeht, da kann man schon mal an Verschwörungen glauben. Und was den Nachtrag angeht: Bitte Edi, gern geschehen, weeßte doch.

rationalstürmer · 26.01.06, 14:50 Uhr

Aber echt Burnster, da samma ganz schön nübergruckt mit dera Gschicht. Ich werd das Köpfchen eh noch eine Weile hübsch vom Fenster weghalten, nicht dass mir da am End doch noch so ein dahergelaufenes Skaterbuberl ein Loch neischießt.

Wir sollten übrigens irgendwann einmal über ein Beraterhonorar verhandeln. Wenn meine Scheffin ihr Placet gibt, darf ich diesen Winter noch in die großegroße Stadt, dann sauf´ma des aus. Bestell bittschön die Schwedinnen dazu.

rationalstürmer · 26.01.06, 14:54 Uhr

Ich würd mich narrisch freuen. Die Schwedin heisst übrigens Julia. Ich habs aber auch nur noch einmal wieder getroffen.

burnston · 26.01.06, 17:06 Uhr

Rosten, die Saiten des Pianofortes werden rosten, sie werden die Sinuskurven nach oben ziehen, immer weiter nach oben, ins Trauma, ins apokalyptische.
Gleichzeitig bleibt scheinbar alles beim alten:
„Das Bier war dunkel, die Burschen schneidig und die Madeln sittsam. Und die Honoratioren waren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger“.
Könnt von Thoma sein.
Ein ausnehmend schönes Blau hat dieser Eis See, schön wie für eine Schneekönigin, deren Atem man nicht sieht weil er der Kälte ebenbürtig ist. Lassen Sie ruhig die dunkelrote Wärme drüberlaufen. Die Kälte, es ist um der Kälte eine Atempause zu gönnen.

la gitana · 26.01.06, 19:08 Uhr

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