Club der halbtoten Dichter

Club der halbtoten Dichter

Aus meiner Rocktasche

Und nicht nur aus der. Weil bei mir fliegt eh überall ein Lied rum. Der Compadre Burnster hat gemeint, es tät ihn interessieren, was ich so zu diesem Ringelreihen beitragen könnt. Mach ich saugern, und hier isses also, völlig selektiv wahrgenommen, aber ohne zuviel Überlegensgeschiss. Und an der Stelle auch nochmal danke Edi, für das Plätzchen hier bei dir.

Oiso, gehmas an…

01. Ein Song aus deiner frühesten Kindheit
Bruce Lowe, „Das alte Haus von Rocky Tocky“. Mein Opa hat früher manchmal einfach zwei Mikrofonständer vor mein Schwesterchen und mich gestellt, die Gitarre umgeschnallt und den Kassettenrekorder mitlaufen lassen. Early sessions, und das Lied war immer wieder dabei.

02. Ein Song, den du mit deiner ersten großen Liebe assoziierst
“Don´t speak” von No Doubt. Am 30. Dezember 1995 bin ich mit meiner damals besten Freundin nach Mannheim gefahren, meine letzten Hinterlassenschaften aus der alten WG holen. Es hat elend geschneit an dem Tag, und das Ding lief im Radio. Das erste Mal geküsst hab ich sie am 22. März 1996 mitten im Kunstverein in Nürnberg. Wir waren nie wirklich zusammen und für die erste große Liebe waren wir beide fast schon ein bisschen alt, aber es war nichts anderes. Und es ist definitiv dieses Lied. Das haben wir beide sofort gewusst. Verrückt eigentlich.

03. Ein Song, der dich an einen Urlaub erinnert
Es war zwar ein Praktikum, aber trotzdem gleichzeitig der schönste Urlaub meines Lebens: Ein Vierteljahr Santiago de Chile. Mir ist bis heute kein einziger Grund eingefallen, warum dort auf beinahe jeder Radiostation mindestens einmal am Tag „Ohne dich“ von der Münchener Freiheit lief. Aber es war so. Ich schwörs. Wenn ich sagen sollte, was das Durchgeknallteste an dieser Zeit war, dann warens die Erdbeben und dieser Song.

04. Ein Song, von dem du in der Öffentlichkeit eigentlich nicht so gerne zugeben möchtest, dass du ihn eigentlich ganz gerne magst
Je altersmilder ich werde, desto mehr verirren sich auch an sich indiskutable Musikstücke in meinen Kopf, nisten sich dort ein und verursachen mir ein nicht von der Hand zu weisendes wohliges Gefühl. Also bitte, wer sich fremdschämen will: „Never forget“ von Take That.

05. Ein Song, der dich - geplagt von Liebeskummer - begleitet hat
Hahahahaha! Na da kann ich mich nun wirklich nur schwerstens entscheiden, weil ich, was Liebeskummer angeht, einfach das glücklichste Händchen der Welt habe. Aber wichtig war mir „Must I paint you a picture“ von Billy Bragg. “And now the bells across the river chime out your name. I look across to them again…”

06. Ein Song, den du in deinem Leben vermutlich am häufigsten gehört hast
Ach du Scheiße. Die Stones, „Sympathy for the devil“ vielleicht? Keine Ahnung.

07. Ein Song, der dein liebstes Instrumental ist
Vor ein paar Monaten hätt ich noch gesagt, dass es die Titelmelodie aus „Hawaii Fünf-Null“ ist. An der Stelle geht es einfach nicht anders, ich muss zwei Stücke nehmen, und weil das eh nur ganz wenige Menschen kennen, gültets auch und geht nicht als Beschiss durch: „nrs“ – ein Klavierstück von einer wundervollen zeitgenössischen Komponistin.

08. Ein Song, der eine deiner liebsten Bands repräsentiert
“Tunic (Song for Karen)“ von Sonic Youth.

09. Ein Song, in dem du dich selbst wiederfindest oder in dem du dich auf eine gewisse Art und Weise verstanden fühlst
“Der lachende Vagabund” von Fred Bertelmann. Meine Welt ist bunt!

10. Ein Song, der dich an eine spezielle Begebenheit erinnert (und welche das ist)
“Fairytale of New York” von den Pogues und Kirsty McColl. Ich hab die halbe Jugendherberge in Frankfurt/Sachsenhausen dazu vollgekotzt.

11. Ein Song, bei dem du am Besten entspannen kannst
Geht super bei „Mr E´s beautiful blues“ von den Eels. Ich wippe mit den Füßen und fühl mich sauwohl.

12. Ein Song, der für eine richtig gute Zeit in deinem Leben steht
“I´m sticking with you” von Velvet Underground. Die Sommernächte kurz nach dem Abi. Feuerl schüren, nachts ins Freibad einsteigen, nackert auf die Wasserrutsche und eigentlich niemals nicht schlafen.

13. Ein Song, der momentan dein Lieblingssong ist
“Rise up with fists” von Jenny Lewis & the Watson Twins. Da krieg ich Lust auf den Frühling.

14. Ein Song, den du (d)einem besten Freund widmen würdest
“Zieh den Kopf aus der Schlinge, Bruder John“ von Udo Jürgens.

15. Ein Song, bei dem du das Gefühl hast, dass ihn außer dir niemand gerne hört
Da muss ich jetzt erst mal meine Volksmusikvorliebe ausblenden, wegen der alle meiner Freunde immer nur betroffen den Kopf schütteln. Aber ich mag halt a Tanzlmusi gern, daran lass ich auch nix deutelmosern. Ansonsten gings mir mit „Suck and run“ von Console oft so, dass ich dachte, das gefällt nur mir. Ist mir aber auch wurscht, falls es so ist.

16. Ein Song, den du vor allem aufgrund seines Texts magst
“I wanna be with you“ von Throw that beat in the garbagecan. Dauert glaub ich länger als fünf Minuten und es kommt außer dem Titel keine andere Zeile Text drin vor. Manchmal brauchts einfach das große Besteck.

17. Ein Song, der weder deutsch noch englischsprachig ist und dir sehr gefällt
Bei uns dahamm gibt’s a Bänd namens Bomb Texas. Deren Version des tschechischen Volkslieds „Zeleny Hajove“ ist einfach so, dass man grinsen muss. Bodenlos. Hörts euch an.

18. Ein Song, bei dem du dich bestens abreagieren kannst
“Mala vida” von Mano Negra. Und scho hammers wieda.

19. Ein Song, der auf deiner Beerdigung gespielt werden sollte

Nagut, man kann sich ja eigentlich nicht früh genug drum kümmern. Dann sag ich jetzt ausm Bauch raus „Love goes on“ von den Go-Betweens. So bin ich halt, ich bete an die Macht der Liebe.

20. Ein Song, den du zu den Besten aller Zeiten rechnen würdest
Also rechnen schon mal gar net. Rationalstürmer non calculat. “Badge” von Cream. Und dass George Harrison den Song geschrieben hat, räumt für mich nur einmal mehr mit diesem Clapton-is-God-Schmarrn auf.

So. Hoffe, ich hab damit niemand nachhaltig verschreckt. Und weil man sich auf dieser Veranstaltung ja was wünschen darf, wenn ich das richtig verstanden hab, würd ich die Fragen gern weitergeben. Die Vita solls sagen wollen dürfen müssen.

7 Kommentare

Brav isser! Und wie erwartet, hab ich mich bestens unterhalten!!
Und für die grandiose Überschrift bekommt du den Georg Kostya Gedächtnispokal.

burnston · 27.02.06, 13:35 Uhr

verschreckt haste keinen. meine wäre schlimmer.

noch viel schöner bei so einer liste wären die mp3s zu jedem titel, nicht nur bei serbokroatischem liedgut. ich kann mich nämlich nicht an “zieh den kopf…” von udo jürgens erinnern. das hätte ich doch zu gerne mal gehört.

bittersweet choc · 27.02.06, 15:44 Uhr

Und des is a boarische Bänd? Unglaublich! Mei Gamsbart wackelt!
Und wo bleibt die Treppe in den Himmel?

neo-bazi · 28.02.06, 06:55 Uhr

Bittersüße, das ist natürlich ein berechtigter Hinweis, Ne mp3 zu jeder Nummer wär wirklich angebracht, ich würd nämlich “Zieh den Kopf aus der Schlinge…” selber auch mal gerne wieder hören. Vorsingen könnt ichs aber noch. Wär vielleicht mal ne Idee für ein Podcast. Jeder singt seine eigene Liste vor.

rationalstürmer · 28.02.06, 08:31 Uhr

Naaa Bazi, net boarisch, des is diefsdes Frangn, wo die herkumma dänner. Das ist das gute einheimische Bier, dass die so prima macht. Net so wie in Oberbayern, wo man praktisch nur noch irgendeine windige Konzernplörre zum Saufen kriegt, die schmeckt wie die Paulanerscheiße, die der Ottfried Fischer aus seinem saturierten gesponserten Arsch aussaschoasselt.

Treppe in den Himmel gibts bei mir keine, Page & Plant erinnern mich immer an eine bestimmte Ex, da ist Hairway to Steven komplett tabu.

rationalstürmer · 28.02.06, 08:38 Uhr

Merkst was, Ratze, unsere Süße wird leicht bitter! Wahrscheinlich wegen unserer dekorativen Damenwelt hier im Bloggerl. Aber das ist ausgesprochen ungerecht, dafür hat sie doch die hübscheren glammies, erics und luckies. Die rauschen bei uns nie herein, das versteh ich gar nicht.

neo-bazi · 28.02.06, 09:33 Uhr

Das kann ich komplett so unterschreiben. Hier herrscht großer GEschmack, wie eigentlich schon erwartet. :)

Au-lait · 28.02.06, 16:57 Uhr

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