Club der halbtoten Dichter

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Quo Vadis

Karl Valentin

Also gestern war ein direkter Freudentag für mich. Sagt mein Mann zu mir: “Kreszenz, heut’ gehn wir in das neue Kinomatographentheater nüber und schaugn uns das große Filmdrama an ‘Quo Vadis’, das soll großartig sein.”

Ich hab mich z’sammagschneckelt (angezogen) so gut als halt noch geht, und um 1/2 2 Uhr san ma scho vorm Kino dortgestanden. Wir ham gemeint, mir komma noch z’früh, daweil san da Menschen dortgstanden, hingrafft ham sie sich zu dera Kasse wie die Wilden.

Ich und mein Alter san gleich an die Kasse hin und ham g’schaut, was die Billetten kosten.

“Mögts Euch schon hinten anstelln!” schreit so a junges Frauenzimma. - “Wird Ihnen schon passen” sag ich, “wenn ma zuerst schaun, was es kost; das wissen wir schon selber, daß wir uns hinten anstellen müssen. Sie schaug o, ’s rotzige Zimmamadl.”

Mei Mann packt mich gleich am Arm und will mich z’ruckziehn, reißt mir aber von meiner neuen Blusen an halberten Ärmel runter. “No Lackl” sag ich, “jetzt schau Dich wieder an, was Du wieder gmacht hast, ich sag ja, wiast halt Du was in Dei Pratzen (Hand) nimmst, is scho hin auch.”

“Aber deshalb brauchen Sie Ihren Mann aa koan Lackl hoaßen”, sagt s i e drauf, die ganz andere, “weil Ihna Sie mit Ihrem Schnacklkopf auch dö Blusen net selber kauft ham.” “Haltens fei Eahna Maul, Sie gschnappige Person, und mischens Ihna nicht in Familienangelegenheiten, sonst stoß ich Ihna naus aus der Reihe der ‘Angestellten’.” Und dann ham mir die Gescheiteren gemacht und haben uns hinten angestellt bis mir die Billetten ghabt ham.

Punkt 2 Uhr hams uns hineinlassen. Ich hätt ja den schönsten Platz erwischt, aber natürlich, der langweilige Herr Gatte, der beim hellichten Tag schon zu langsam schaut, ist im finsteren Zuschauerraum umeinandergetappt wia a junger Hund, der im Wasser den Hundstapperer macht. “Ich sieh ja nichts, ich sieh ja nichts” , hat er allaweil gschrian, und wenn ich ihn nicht auf einen Platz hingesetzt hätt wie ein Schullehrer einen ABC-Schützen, dann hätt er die Kinoleinwand auch noch durchgetrennt mit seinem Gipskopf. Einen schlechten Platz ham wir erwischt in einer Nischen drin; vor uns ist glücklicherweise ein Mordstrumm viereckige Säuln gstanden. “So, jetzt haben wir’s” , hab i zu meinem Mann gsagt, “Jetzt kannst ums Eck nüber schaun oder Du kannst Dir um den Eintritt zwei Stunden lang die viereckige Säuln betrachten.”

“Ach möchtens net so freundlich sein, Herr Nachbar” , sag ich zu dem Herrn, der neben mir gesessen ist, “und möchtens ein wenig nach links nüber rücken, daß wir besser vorsehn.” “Das könnens Ihnen denken”, sagt der, “ich bin schon ganz narrisch, wenn Ihna die Säuln geniert, dann steckens hat Ihr’n Ganskragen um die Säuln nüber.” “Ich dank recht schön, Herr Nachbar”, hab ich gsagt, “Sie sind halt ein liebenswürdiger Mensch”, und dann hab ich mir beim ersten Akt den Hals so verdreht, daß ich ausgschaut hab wie ein erdrosselter Flamingo im Zoologischen Garten. Also gschimpft hab ich so viel in dem Kino drin, daß ich bald die Klaviermusik übertönt hätte. Auf einmal schreit einer von der hinteren Reihe zu mir vor: “Gell tuns fei bald Ihre Gebiß-Schatulle zumachen, sonst falln Ihna noch die ganzen Beißperlen raus, wo Ihna die Ortskrankenkasse die Hälfte dazugezahlt hat.” Jetzt schaun S’ eine solche Frechheit an und darfst nichts sagen, sonst kriegst noch Prügel auch.

Vor mir sitzt so ein Lucki, hat an Goggs (Hut) auf, und weil ich halt a bisserl klein bin, sieh ich natürlich nichts wegen dem sein’ Hut. “Ach, möchtens nicht so freundlich sein, schöner Herr, und möchtens Ihren Stops (Hut) runtertun, wei ich sonst nichts sehe”; und weil er nicht gleich darauf reagiert hat, hab ich ihm mit meinem Zeigefinger von hinten ein wenig auf die Achsel hinaufgstupft. Der schaut und staucht mich gleich so zusammen.

“Tu mich fei noch einmal betupfen dahinten, dann heb ich Dich raus aus die Klappsitz, alte Hyazinthn. Und jetzt, mein ich, wirst es packen mitn Stillentium, gräuslicher Hausaff.”

Jetzt bin ich narrisch worden. - “Wer ist a Hausaff?” hab ich g’sagt und hab dem Schlawinerbuben von hinten meine zehn Fingernägel so ins Genick neingsetzt, daß er gemeint hat, er hat seinen Kopf in eine Roßhaarzupfmaschine neibracht.

Mei Mann will mir helfen, der dumme Depp packt mich in der Finsternis und haut mir oane nach der anderen runter. Der Platzanweiser hat sich mit seiner Uhrketten in meinen Lockenchignon verwickelt, die Leut haben alle geschrien: “Licht, Licht!” und bis wir uns besonnen haben, war schon Licht - aber Tageslicht, sind wir schon auf der Straße draußen gelegen. Ausgeschaut ham mir, als wenn wir 14 Tage in einem feindlichen Stacheldrahtverhau dringehängt wären. Ganz verhaut und zerfetzt sind wir von dannen gezogen. Beim Heimgehen sind uns die Schulkinder alle noch nach und ham g’schrien “Ah, ah, Mann und Frau im Essigkrug!” Vor der Wohnungstür angekommen, hab ich erst gemerkt, daß ich bei dieser Rauferei mein Tascherl mit die Wohnungsschlüssel verloren hab. Ich mußte in dem Verzug zum Schlosser laufen, der war natürlich nicht daheim, jetzt haben uns mein Mann und ich den ganzen Nachmittag aufs Fensterbrett gesetzt und haben auf den Schlosser gewartet und anstatt zur Erinnerung an das schöne Filmdrama “Quo Vadis” haben wir beide geseufzt: “O fad wars!”

4 Kommentare

Hauerha, ich verstehe hier leider nicht alles. Schade, bestimmt! :)

[ot] Bilder gehen klar!

mcwinkel · 25.11.05, 20:37 Uhr

Herzlichen Dank.

neo-bazi · 25.11.05, 20:50 Uhr

bitte keine pics von mir *heul*

lieber gruss an die reeperbahn, lieber opa!

bittersweet choc · 25.11.05, 21:37 Uhr

Was spricht gegen Bilder fotogener Frauen? ;)

Au-lait · 25.11.05, 21:50 Uhr

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