Club der halbtoten Dichter

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Nazis in neuen Kleidern

Unter diesem Titel berichtet die St.Pauli Nachbarschaftszeitung in ihrer Ausgabe Dezember 2005 über Nazis in neuen Kleidern und den noch immer bestehenden Klamottenladen Odin und Freya in der Talstraße.

Textauszüge:

Der klassische Neonazi mit Glatze, Springerstiefeln und Bomberjacke existiert kaum noch. Es fand ein Wandel im öffentlichen Auftreten der rechten Szene statt. Sportliche Klamotten mit unauffälligen Symbolen prägen mittlerweile das Bild. Ein Beispiel hierfür ist die Klamottenmarke “Thor Steinar” …

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Altes und neues Logo von Thor Steinar

In den letzten Jahren verging kaum ein Neonazi-Aufmarsch, bei dem die Marke “Thor Steinar” nicht auffällig präsent war. Doch “Thor Steinar” schaffte es auch, aus der rechten Käuferschaft auszubrechen und unpolitische Bereiche und Käuferschichten anzusprechen. Weil diese Marke auch in St. Pauli durch den Laden “Odin und Freya” vertrieben wird, ist dies Grund genug, darauf hinzuweisen, daß diese Klamotten und Symbole es den Neonazis zunehmend ermöglichen, sich in die Mitte der Gesellschaft zu begeben. Unter dem Deckmantel der nordischen Mythologie gelingt es ihnen so, völkische Ideen und rassistische Ideologie zu transportieren.

Thor Steinar wird von Neonazis für Neonazis produziert, und alle, die solche Klamotten kaufen bzw. anziehen, unterstützen damit direkt Neonazis in ihrem Bestreben, ihre Inhalte in die Gesellschaft zu tragen und ihr Menschen verachtendes Denken zu verbreiten.

In diesem Sinne: stoppen wir Thor Steinar!

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13 Kommentare

TITLE: Zweischneidiges Schwert.
Ich weiß wirklich nicht, was ich von diesem generalisierten Boykott-Aufruf halten soll. Wenn die Rechte morgen auf den Trichter kommt, Salamander zu tragen, dann ist das ebenso zweischneidig. Ganz zu schweigen davon, dass die Gesinnungsrechten der Hochfinanz und Politik in Maßanzügen und Haute Coture daherkommen. Ich halte persönlich die Stigmatisierung der Runen für einen großen Fehler, ebenso wie die Stigmatisierung der Swastika, die - vor allem - ein universelles Symbol darstellt.
Die Klamotte ändert den Inhalt des Kopfes nie - und die Runen sind m. E. nun wirklich die falsche Front.

TheSource · 19.12.05, 08:41 Uhr

Das sehe ich anders, Verehrteste. Wie man hört, sind diese braunen Kloaken genügend verdeckt ermittelt, angeblich kennt der Verfassungsschutz seine Pappenheimer. Zu gut sogar, wie Herr Schily & Co. leider erfahren mußten. Uniformität durch Thor Steinar würde den ‘Staatsschützern’ die Arbeit wohl nicht wesentlich erleichtern.

Die Verteidigung der Runen habe ich von Ihnen als Schriftstellerin nicht anders erwartet. Die Runen können nichts dafür, genau so wenig wie das Hakenkreuz. Aber wie sonst wollen Sie verhindern, daß unwissende Jugendliche durch den Kauf dieser Klamotten die Nazis ungewollt finanzieren? Wie wollen Sie vermeiden, daß Opa beim Kiezbummel einem Unschuldigen mit seiner Krücke eins drüberzieht?

Hätte Frank Uhlig seinen Ruinenwert dreißig Jahre früher geschrieben, hätte Junior Opa sich damals seine Tüten auch nicht mit Efka-Zigarettenpapier gebastelt. Was schlagen Sie also vor?

neo-bazi · 19.12.05, 11:07 Uhr

Eigene Runen-Klamotten.

C. Araxe · 19.12.05, 14:00 Uhr

Da hau ich mal in die gleiche Kerbe wie TheSource. Generelle Boykottaufrufe sind ein äusserst zweischneidiges Mittel. Die Rassisten operieren ja genauso, sortieren nach bestimmten Merkmalen Leute aus.

Und die wirklichen und massgeblichen Träger der ns-Ideologien trifft man damit sowieso nie. Die Glatzen sind doch bestenfalls Anlass für weiter die Bürgerrechte beschneidende Gesetze. Tatsächlich hätte man sie bei konsequenter Anwendung der bestehenden Gesetzen längst ausser Gefecht setzen können. Doch das könnte evtl. den Blick frei machen auf die Gesinnungsrechten ganz oben.

Ich habe in meiner Stadt das schöne Beispiel zweier grosser Industriebetriebe, deren Inhaber sich durch und über den 2. Weltkrieg dumm und dämlich verdienten, so sie es nicht bereits vorher waren. Denen ist nichts passiert, wäre auch nichts passiert hätte jemand wie F. Uhlig sich deren allgemein bekannter brauner Vergangenheit angenommen, in der sie Arm in Arm mit Nazigrössen posierten. Weil sie von der Bevölkerung geschützt wurden, der sie Arbeit und Wohlstand sicherten und schon vor dem Krieg gesichert hatten.

Ich könnte weiter von meinem Vater erzählen, der als junger Mensch für fünzig Reichspfennig die Woche im Steinbruch schuftete und durch das Naziregime zu einem geachteten Mann aufstieg und es auch nach dem Krieg blieb, er der während des dritten Reichs im Dorf die Flagge der Nazis hochhielt, ebenso wie der Pfarrer übrigens. Die haben zusammen mit den Bauern alle dem verlorenen Krieg nachgetrauert, aber keine Sekunde den ermordeten Juden und das Denken ist bei vielen heute noch nicht aus den Köpfen verschwunden. Aber die tragen garantiert nix das man auffällig fände. Trotzdem sind es diejenigen die viel gefährlicher sind, als die paar vom Verfassungsschutz gesponsorten Radaubrüder.

Du hättest vielleicht kein Efka gekauft, aber ich sag’ Dir, Du hättest jeglichen Konsum einstellen müssen um nicht die Altnazis zu bereichern.

Langer Rede kurzer Sinn, ich halte von so Aktionen garnix, weil sie am Kern der Sache vorbeizielen.

Thot · 19.12.05, 14:06 Uhr

Man darf doch ruhig mal verschiedener Meinung sein. Mich stört der Drecksladen einfach. Null Toleranz bei sowas. Hier waren 5000 Leute auf der Demo, die ähnlich denken und unter denen fühle ich mich wohl.

Aber die feinen Herrn Politjuppies im sächsischen Landtag, sind die auch von der Industrie da hinein geschmuggelt worden? Die wurden gewählt aus Protest und von SOLCHEN Aktionen halte ICH garnix.
Sorry.

neo-bazi · 19.12.05, 14:48 Uhr

Die sässen da nicht drinne, hätten andere, beispielsweise der Herr Schröder* eine bessere Politik gemacht und den Leuten nicht mit h-iv den Strick um den Hals gelegt, den man jetzt schön langsam zuziehen kann und auch zuziehen wird. Wehret den Anfängen hätte der oben Genannte sagen müssen. Denkst Du das wird besser?

Ich mag das nicht weiter breit treten und erinnere daher nur an Brechts »Erst kommt das Fressen, dann die Moral«.

*Jetzt kannst Du mich ja zur Strafe zwei Tage von der Blogroll streichen. ;-)

Thot · 19.12.05, 15:08 Uhr

Auto-Wunschkennzeichen

“Ausgenommen sind nur die unzulässigen Buchstaben-Kombinationen HJ, KZ, NS, SA, SS und ZZ und der Einzelbuchstabe Z. ”
(http://www.stadt-koeln.de/bol/zulassung/produkte/00219/?page=/aemter/32/322/02/index.html)

Bin bis heute auch unschlüssig, was davon zu halten ist.

keineinzelfall · 19.12.05, 15:10 Uhr

TITLE: Sie haben ja gar nicht unrecht.
Und selbst wenn: Wieso streichen?
Dünnes Brett das (Streichen) - auf dünnes Brot *g

Der Ausverkauf der letzten Bastion hat schon lange begonnen - schon mit Kohl. Es gibt ein massives Interesse der Globalfinanz, den Globus zu refeudalisieren. Schröder hat die Politik des Stinkefingers an die USA und ihre Kriegsgewinnler schlicht nicht fortgesetzt - aber das fortgesetzt, was die Kohl-Regierung begonnen hat. Jetzt trifft es halt auch Deutsche - Nicht-Deutsche trifft es schon lännger (Siehe repressives Ausländerrecht, jahrzehntelange Duldungen usw).
Es gibt keinen Staatsmann mehr in Deutschland, mit Ausnahme von Fischer. Eine Staatsfrau ebenfalls nicht. Und, wie der Volksmund so schön sagt: Der Fisch beginnt immer am Kopf zu stinken. So wie nach dem zweiten Weltkrieg die Rechten in Position blieben und gedeckt wurden, geht es im ehemaligen Ostblock - warum sollte es auch anders sein?

TheSource · 19.12.05, 15:15 Uhr

Thot: ‘n Deubel werd ich tun. Ich habe nur 2 Beine ;-) , Ihr begnadeten Dichter bringt wenigstens Leben in die Bude!

Ja, Frau Quelle, das Problem haben wir in Hamburg auch. Die vermummten Schwarzen habe schon manche friedliche Demo geschmissen. Leider. Es gibt keine gute und schlechte Gewalt. Aber nur noch Dasitzen und garnix tun geht nicht. So sind sie halt die verbohrten alten Säcke und gescheiter werden sie auch nicht, siehe Schäuble. Saubande, dreckige. Ich würde eine Kerze anzünden und für sie beten, aber ich hab vergessen, wie das geht. Ist zu Tode kitzeln eigentlich auch Folter? Dann bringen wir sie doch mal anständig zum Lachen!

neo-bazi · 19.12.05, 15:21 Uhr

Z hieß mal Freiheit, in Griechenland hams glaub ich sogar einen Klasse Film draus gemacht. Aber das wissen Sie ja, sonst hätten Sie das nicht geschrieben.

neo-bazi · 19.12.05, 15:26 Uhr

TITLE: Mittlerweile
sitzen doch auch genug Linksfaschisten im Bundestag (Lokale ehemalige Stasi-Grössen für die PDS). Das tut sich alles nichts, diverse sog. “Linke” haben die Rechten sowieso schon rechts überholt - ich erinnere mich da an ein Plakat der Dortmunder AntiFa, auf dem ein blutender Skinhead abgebildet war, das Gesicht zu Brei getreten und darunter stand: Schlagt die Nazis wo Ihr sie trefft!”. Weibisch habe ih mit meinem Lippenstift damals drübergekritzelt: Wie ein Hund nur einen Hund zeugt, zeugt Gewalt nur neue Gewalt. Tja - und das als “Kanackin”, da hat sich dann niemand getraut, mir zu widersprechen.
Araxes Idee ist prima - und gar nicht mal so neu.
Hierzu gäbe es die traurige und obskure Geschichte der Skinheads zu erzählen, die eben n i c h t Neonazis sind (jetzt erkennt man sie jedoch an den Schnürsenkeln, das gabs damals noch nicht: Die mit den weißen Senkeln sind Nazis, die anderen halt AntiFa). Das passierte Anfang der 90 er in Geselkirchen. Die Neonazis hatten eine Kundgebung angekündigt, aus dem ganzen Ruhrgebiet reiste die AntiFa an und es kam zu einer Schlägerei der Dortmunder AntiFa gegen Skinheads - die sich dann im Nachhinein als Gelsenkirchener AntiFa herausstellten.
Traurig, aber so ist es passiert.
Also achten Sie darauf, wen Sie mit der Krücke hauen *feixt.

Darum bin ich für eigene Runen-Kleidung. Man muß das Symbol entziehen. Vor allem aber muss man in den Köpfen ansetzen. Die Spitze der Rechten trägt weder Runenkleidung noch Bomberjacken: Sie tragen Armani.
Stellen sich vor Fernsehkameras als Minister und beschönigen Folter.

TheSource · 19.12.05, 15:41 Uhr

TITLE: Gesondert: Zu den Runen.
Eine Gruppe Menschenverächter und Verbrecher bedient sich einer alten Schriftsprache. Ein psychopathischer Sadist ersticht reihenweise Leute.
Die Folgen: Die Runen sind verboten, Brotmesser sind verboten?
Überhaupt Messer, weil man damit jemanden umbringen kann?
@neo-bazi: Sie schreiben von “unwissenden Jugenlichen”. Wäre nicht die beste Prävention gegen Extremismus, sie wissend zu machen? Erfahrungsgemäß ist das Verbotene immer reizvoller als das allgemein Bekannte.

Es gibt noch einen anderen Grund, warum ich mich für die Runen stark mache. Nicht nur aus sprachkulturellen und etymologischen Gründen - was schon ausreichte. So verrückt es auch klingt, die ganze “Energetik” der Runen ist … sozusagen verschoben; entwurzelt und damit Freiwild werden sie nach wie vor vereinnahmt - und dies nicht einmal zuletzt durch die Ablehnung eines Großteils der Menschen hierzulande. Nun ist Schrift ein Symbol und Symbole lassen sich sozusagen “aufladen”. Niemand meint es böse und doch erzeugt die Ablehnung und die Angst eine negative Aufladung. So kanns gehen.
Ich habe sehr lange mit Runen “gearbeitet” und meine Empfindung ist die einer großen Wunde. Einer tiefen Verletzung, die in sehr viele Bereiche hineinragt, feinstofflich, scheinbar unsichtbar, nachwirkt - und die Ablehnung lädt weiter auf mit Negation, mit Anti-Haltung; so esoterisch sich das anhören mag. Für meinen Teil bin ich nicht bereit, an dieserlei Negation, sic: Dem Vertiefen der psychokulturellen Wunde, der empathischen Entstellung und Verkrüppelung mitzutun.

Nachtrag: War grade auf der Page von Thor Steinars online-shop. Tja, stellen Sie sich das mal vor, wie mir germanophilem Menschen zumute ist, wenn die da Mädel´s statt Mädels schreiben! Die Anglizismen sind überall - *Tränen lacht.

TheSource · 19.12.05, 15:47 Uhr

Ich bemühe mich doch, das Wenige, was ich weiß, weiterzugeben. Nicht gänzlich ohne Erfolg, wie es scheint. Mein geplanter Einsatz für attac wird dazugehören zu diesem Bemühen. Ich bin kein Sokrates und ich möchte auch nicht so enden wie er.

neo-bazi · 19.12.05, 15:55 Uhr

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