Club der halbtoten Dichter

Club der halbtoten Dichter

Hallo Igel, weißt Du noch?

Allgäuer Zeitung 24. Juli 1996:

Auf der Stirn zwei steile Falten
stammen wohl von seinem Alten;
diese werden aktiviert,
wenn er denkt, was auch passiert.

Wer’s vielleicht noch nicht erfahren:
Heut’ genau vor neunzehn Jahren,
blond gelockt mit großen Ohren
ward der Knabe Gerd geboren.

Vadder Otto sah voll Stolz:
Knäblein war aus gutem Holz.
Alles klar im Waldeshaus –
nur mit der Ruhe war es aus.

Der Produzent von coolen Tönen,
meistens lauten, manchmal schönen,
demonstrierte permanent
musikalisches Talent.

Erst versuchte er mit Flöten
seiner Umwelt Nerv zu töten;
später ließen Orgelpfeifen
wilde Phantasien reifen.

Denn es übte seinen Glauben
der Ministrant im Dom zu Lauben:
Messwein testen, Weihrauch schnüffeln
und das Vaterunser büffeln.

Wundersame Sphärenklänge
ziehen abends durch die Gänge.
Morgens sieht das alte Haus
manchmal leicht verorgelt aus.

Die Nachbarskater warten schon
auf den ersten Orgelton.
Dann frohlocken sie: “Hurra,
das ist der Gerd auf Yamaha.”

Sicher, dass ein Gitarrist
aus Heiligkreuz dich schwer vermisst –
ohne dich ist PRO CHECKED nicht
psychodelisch wasserdicht.

Im Cafe Sperrmüll vis-a-vis
hofft der Wirt, er braucht dich nie,
wenn das Rheuma wieder zwickt
und ihn auf die Matte schickt.

Es leert sein Glas in einem Zug
Jim Morrison von FUNKENFLUG.
Zu WATERPROOF – sensationell –
herzlichen Glückwunsch aus Krugzell.

Ein Anarchist aus Wiggensbach
hält sich mit Rotwein-Cola wach.
Doch heute wird nicht diskutiert,
sondern tierisch gratuliert!

Zum Wiegenfeste wünschen wir
uns und nicht zuletzt auch dir:
Am Geburtstag keinen Geiz!
Nicht ein allzu breites Kreuz.
Nächstes Jahr ein glattes Abi
für die Mami und den Papi.
Dass in der Liebe alles passt
und du Super-Ferien hast.
Und dass du es nie vergisst:

BLEIB SO, ALTER, WIE DU BIST!

Er hat es getan, er ist so geblieben. Zurückgeschlagen hat er auch. Neun Jahre später, diese Woche nämlich, per E-Mail mit einer Kopie seiner Diplomarbeit, 212 Seiten in Englisch und ich werde einige Zeit brauchen, um einigermaßen zu begreifen, was er da sagt.

Wir sind stolz auf Dich Junge, hörst Du! Zur Feier des Tages noch ‘n büschn was von Opas derzeitigem Lieblings-Sound:

—–

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