Umberto Saba
Die überaus liebenswerte Renata wird von ihrem Mann manchmal schlecht behandelt. Nicht richtig schlecht, aber so, als sei sie nicht mehr Renata und auch nicht mehr liebenswert (obwohl sie es immer noch ist). Er wirft ihr zum Beispiel vor, es mangele ihr an Sinn fürs Praktische (sie hat mehr davon als er), sie führe sich auf wie ein törichtes kleines Mädchen (was auch nicht stimmt), und ähnliche Dinge.
“Weißt du nicht mehr”, fragte ihn eines Tages ein Freund, der Partei für Renata ergreift (wie das alle ein bißchen tun), “wie du ihr, als sie dreizehn, vierzehn Jahre alt war, beigebracht hast” (damals tat er das), “Wagner zu lieben? Und nicht nur Wagner, sondern alles, was dir - im Leben und in der Kunst - gefiel? Wie sehr warst du in sie verliebt! Und jetzt, da sie dich geheiratet hat, dir (auch ins Unglück) gefolgt ist, dir a priori all deine Narreteien verziehen hat, dir zwei wunderschöne Kinder geschenkt hat, jetzt machst du ihr Vorwürfe, die sie nicht verdient hat; und selbst wenn sie berechtigt wären, könnte sie nichts dafür.”
Renatas Mann verteidigte sich mit guten oder auch schlechten Argumenten. Aber seine eigentliche Entschuldigung fand der Freund nicht in seinen Worten; er las sie in seinen Augen. Es war im Grunde keine Entschuldigung, es war ein Bekenntnis. Er bekannte sich zur Ahnungslosigkeit des Menschen - und auch noch des besten aller Menschen - gegenüber den Regungen des Lebens und der eigenen Seele. “Es ist”, sagten seine Augen, “als würdest du mir das Aufgehen und Untergehen der Sonne zur Last legen.”
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