Club der halbtoten Dichter

Club der halbtoten Dichter

Mönckebergstraße

Mein direkter Nachbar in dem weitgehend anonymen Hochhaus am Ende der Reeperbahn geht mir unter die Haut. Zusammen mit Jule und Joe bildet Martin meine Hamburger Familie – junge Leute, die mein Gemüt vor der Schwermut des Alters und anderen Anfechtungen des menschlichen Herbstes bewahren.

Wenn ich früher nach Monaten oder Jahren im Ausland und auf See wieder in Hamburg landete, stellte sich auf dem Weg von der Reederei zum Bahnhof – am Rathaus vorbei die Mönckebergstraße hinauf – meist ein unbändiges Glücksgefühl ein. Heute sind es ein Mädchen und zwei Jungs, die mich in diesen Zustand versetzen, wann immer ich einen von ihnen in die Arme schließen darf.

Martin ist Joe in vielen Dingen sehr ähnlich. An beiden bewundere ich die charakterliche Haltung, an der ich mich aufrichte, wenn es mir schlecht geht. Auch Martin sieht für einen Typen eigentlich zu gut aus und er weiß es, auch er spielt trotzdem nicht mit den Menschen.

Daß er mir immer noch nicht völlig vertraut, liegt an meiner uncoolen, geschwätzigen Ehrlichkeit. Mir wird selbst schwindelig, wenn ich daran denke, welche Texte ich ihm manchmal reindrücke. Dann huscht ein wissendes Lächeln über sein Gesicht oder er prostet mir grinsend mit Bessen Genever zu und alles ist gut. Der beste Nachbar, den ich je hatte.

Heute verlässt er uns wieder einmal und versucht sein Glück bei der Seefahrt. Laß Dir Tschüß sagen mit einem Spruch aus dem Jahre 1957, den mir ein alter Mann in einer Altonaer Kneipe mit auf den Weg gab, als ich damals hinauszog: „Foar mit Gott, min Jung!“

haubenundsterne
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1 Kommentar

[…] Martin, unseren Starkoch haubenundsterne, kennen Sie ja bereits. […]

Club der halbtoten Dichter » Große Allgäuer (5) - Ehrenbürger · 15.11.06, 23:15 Uhr

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