Club der halbtoten Dichter

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Stationen einer ungewöhnlichen Karriere (12)

London

Die Sterne stehen günstig für Opa im August 1980. Ein Landjob winkt: gesucht wird eine Art Personalchef für eine liberianische Firma mit Sitz in Monrovia, die wegen der dortigen Kommunikationsprobleme von London aus agiert. Zwar von der Materie wieder einmal Null Ahnung aber getreu der Maxime man kann fast alles, wenn man nur wirklich will springe ich ins kalte Wasser.

Also Koffer gepackt, der wie immer in eine rote Unterhose eingewickelte Porzellanbuddha kommt ins Handgepäck und auf geht’s ins Reich der Lizzys und Maggies. Am Flughafen in Heathrow die erste Überraschung: Die fellow passengers quetschen sich nicht wie noch in Riem in dicht gedrängter Menschentraube brutal in Richtung Passkontrolle sondern stehen geduldig alle hintereinander säuberlich in einer Reihe und warten bis es heißt: It’s your turn.
Ich werde mich doch etwas umstellen müssen …

Rein in die Underground bis ich downtown at Monument Station wieder das Tageslicht erblicke. Hier folgt die nächste Überraschung. Noch während ich versuche, anhand der Straßenschilder eine Standortbestimmung vorzunehmen, werde ich angesprochen: “May I help your, Sir?”
Vor mir steht ein Gentleman mittleren Alters in tadellosem Outfit, dunkler Nadelstreifen, allerdings ohne Schirm und Melone.
“I’m looking for Whittington Avenue, Sir, it’s my first time here.” Das stimmt nicht ganz, ich war mit den Schnellbooten schon mal hier, aber ich bin ziemlich perplex.

“Very close, just follow me.” Sagt’s, schnappt sich meinen Koffer (!) und marschiert los. Wir überqueren die Straße, passieren die Gebäude von Cunard und P&O Line und “here we are.” Die “richtige” Adresse ist in London wichtig, die Schiffahrtslinien befinden sich alle in Zip Code EC3. Ich bedanke mich, immer noch reichlich verblüfft, erklimme eine der oberen Etagen und betrete unser Office.
Der Laden ist im Aufbau und Charles B., der englische managing director, bearbeitet gerade mal ein Schiff. Wir machen uns miteinander bekannt und dann erst einmal Pause. Charles ist ein netter Kerl, kommt von Unilever – most probably fired – und hat weder Ahnung von der Seefahrt noch von Personalführung. Eine Gallionsfigur, rechtlich aber nötig – der Direktor muß Engländer sein und nützlich, weil er mir lästige Besucher vom Halse hält. Außerdem soll er mein unzureichendes Englisch in Geschäftsbriefen korrigieren (Dear Sirs, may we ask your good office …).
Fuck you, das kann ja heiter werden, wöchentlich soll ein neues Schiff dazu kommen. Ich besorge mir erstmal ein Hotel in der Nähe und höre meine Lieblingsmusik:

The Wolfe Tones - Blow ye winds

*

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5 Kommentare

Fookin Aight. Dose Englishmen are a bunch of fookin’ polite wankers. Which is quoit astonishing given the fact that dose wankers ain’t got the balls to admit their lousy defeat 1966. Blimey.

burnston · 29.09.05, 10:22 Uhr

schon ein interessantes völkchen, diese inselbewohner. hier :

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/18.06.2005/1885370.asp

gibt es dazu eine nette kolumne von roger boyes.

cheers, mate!

undundund · 29.09.05, 11:19 Uhr

Ausgezeichneter Mann, der Martien. Wen du nicht alles kennst, ich geb das Staunen langsam auf …

neo-bazi · 29.09.05, 11:40 Uhr

Ich mag sie beide, die Tommies und die Iren. Sieht ja fast so aus, als habe das Gemetzel endlich ein Ende. Vielleicht das einzig positive Ergebnis der ganzen Märtyrer-Kacke in Nahost. Nun sollte die Sinnlosigkeit des Ganzen selbst Reverend Paisley klar sein, der Herr hab ihn (hoffentlich bald) selig …

Danke für den Tipp, gleich abgekupfert!

neo-bazi · 29.09.05, 11:50 Uhr

[…] Weiter […]

Club der halbtoten Dichter » Stationen einer ungewöhnlichen Karriere (11) · 27.12.06, 18:01 Uhr

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