Club der halbtoten Dichter

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Stationen einer ungewöhnlichen Karriere (13)

Die Antrittsbesuche bei den Banken und Solicitors absolviere ich zusammen mit Sir Charles. Einen der Anwälte kenne ich bereits: es ist der freundliche Kofferträger vom Vortag! We both were very amused. In unserem Office ist ab sofort

Frauenpower angesagt:

Schwester Angelika:

angelika
Von ihr habe ich alles gelernt. Wie man Flüge bucht zum Beispiel oder was ein PTA ist und wie man es hinterlegt. Wie man zwei Tage vor Abflug den ganzen Crewchange dann einschließlich der Visa wieder umschmeißt, weil das Schiff einen anderen Hafen anläuft (gar nicht so selten in der weltweiten Trampfahrt). Schwester Angelika kannte die Geburtstage aller Kapitäne und Leitenden Ingenieure auswendig und analysierte anhand der Tierkreiszeichen deren Persönlichkeit, vielfach durchaus zutreffend. Unsere Travel Agency wurde ebenfalls von einer Frau geleitet, einer attraktiven Griechin in Athen. Glanzleistung: Mein Flug im Cockpit einer völlig ausgebuchten BEA Maschine von Gatwick nach Gibraltar.

The Accountant:

accountant
Ihr Vater war Chefbuchhalter einer Hamburger Reederei. Von nun an war Schluß mit der Zettelwirtschaft von Sir Charles. Das süße Kind begleitete Opa bei Musical Besuchen im Westend (Evita) oder ins Kino (Wir Kinder vom Bahnhof Zoo).

Sandra:

sandra
Die Nachfolgerin von Schwester Angelika. Eine 21jährige Irin aus Dublin mit 12 Geschwistern, sehr hübsch, unwahrscheinlich tüchtig und ausgesprochen trinkfest. Von nun an brauchte Opa nicht mehr in Telefonzellen übernachten, weil ihm der Weg vom Pub nach sweet home vorübergehend entfallen war. Sandra hatte in Germany gelernt und war zweisprachig, ein weiterer unschätzbarer Vorteil.

Sir Charles:

charles
Von ihm existiert leider nur diese Profil-Aufnahme. Was hat das nun mit Frauenpower zu tun?, werden sie vielleicht fragen. Sehr viel: er durfte nie mit ins Pub, wenn er fünf Minuten zu spät nach Hause kam, gabs Saures von Mutti. Der Herr links im Bild dagegen durfte sehr wohl, es ist Krischan, die rechte Hand des Eigners in Hamburg. Ein prima Kumpel, öfter mal zu Besuch.

Der Chef:

chef
Wie sie sehen, besteht wenig Ähnlichkeit mit anderen Personalchefs wie Herrn Hartz von VW zum Beispiel. Eine solche war auch gar nicht gewünscht, schließlich war teamwork angesagt und bitter nötig. Im Schrank allerdings hing ein grauer Flanell und ein Schwarzer. Flagge Luzzie (Mariner wissen Bescheid) war im Alarmfall in weniger als 1 Minute die leichteste Übung.

Die Putzfrau:

putzfrau
Inzwischen verlegten wir das Office aus Raummangel und wegen der häufigen Streiks nach Woking in der Grafschaft Surrey. Das liegt genau zwischen den Flughäfen Heathrow und Gatwick. Im alten Büro gab es einen Putzmann, der mich immer auslachte, wenn er mich an der Schreibmaschine sah. Sowas machen im Kingdom nur Weiber, gab er mir in herrlichem Cockney zu verstehen. Außerdem im Bild: Opa vor der Lego-Wand und mein Freund Peter Peter, ein Kapitän aus Chicago. Wir betrieben nämlich neuerdings office sharing, die Effizienz unserer Firma hatte sich herumgesprochen. Peter bearbeitete allerdings nur lächerliche 6 Schiffe.

Abschließend noch ein Gruppenbild mit Herrn:

team81
Das Team 81. Mittlerweile wechselte auch die Buchhalterin. Was ihr an Attraktivität fehlte, machte sie durch Erfahrung wett. Die Neue war die Schwester der Putzfrau.

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4 Kommentare

Faszinierend und packend zu lesen, diese Stationen einer ungewöhnlichen Karriere. Eigentlich wollte ich bereits seit zwei Stunden im Bett sein, doch die Folgen 1 bis 13 samt der zugehörigen Stories waren stärker, spannend, bewegend und längst vergessene Gefühle weckend. Und nicht nur weil mir einige Orte wie Eckernförde und vor allem Mürwick bekannt sind und einige der geschilderten Begebenheiten mich an ähnlich Erlebtes erinnerten.

Und natürlich an die sagenhaften Geschichten von den harten Kerlen die lange vor solchen Weichlingen wie uns auf den Schnellbooten fuhren. Geschichten mit welchen uns die Altgedienten beim abendlichen Landgang auf dem kleinen Streifen in Kiel den Abend verkürzten und unseren Sturztrunk begleiteten, ehe wir dann auf allen Vieren, den Weg zurück in die Kaserne am Marinehafen …ähm… naja, antraten.

Thot, ehedem Funker an Bord des fast patrol boat Dachs, 7. Schnellbootgeschwader, Kiel.

Thot · 02.10.05, 06:57 Uhr

Ich bin ja seit ein paar Wochen auch durch deine Stillen Wasser gedriftet und hatte von Anfang an so ein komisches Gefühl, als ob da eine gewisse Verwandtschaft da sein könnte in manchen Dingen. Aber das überrascht mich nun doch. Klasse, Mann!
Zu meiner Zeit sind die Kollegen mal anstatt auf allen Vieren mit einer geklauten Straßenbahn an Bord zurück. Am andern Tag waren die Boote voller Bullen, weil ein altes Mütterchen sich beschwerte, daß die Tram nicht gehalten hatte. Ich frage mich heute noch, weshalb die so früh schon unterwegs war.

neo-bazi · 02.10.05, 07:27 Uhr

[…] Weiter  […]

Club der halbtoten Dichter » Stationen einer ungewöhnlichen Karriere (12) · 26.12.06, 00:09 Uhr

[…] 2002 übernimmt nun Herr Zumwinkel die DHL, eine Firma mit erstklassigem Ruf, die Sie noch aus Ihrer Zeit in London kennen. Sie malen Ihre Fahrzeuge entsprechend um und ändern wieder einmal das Logo. Gleichzeitig […]

Club der halbtoten Dichter » Das seltsame Geschäftsgebaren der DHL · 13.03.08, 05:28 Uhr

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